Vajont 1963: Als 270 Millionen m³ Fels den Stausee trafen

051957–1971katastrophen · unglueck · wissenschaft-technik · wissenschaft

Schwarzweissaufnahme vom Januar 1948 von Westen: die ausgebrochene Felswand der Fluh bei Mitholz mit grossem hellem Schuttkegel, darunter die Bahnkurve der BLS und verstreute Häuser im Talboden.
Leupin & Schwank, Bern / Schweizerisches Bundesarchiv E5150A#2008/190#204* / Wikimedia Commons, Public Domain · PD

Kandertal, 19./20. Dezember 1947 · Foto: Leupin & Schwank, Januar 1948 (PD)

Mitholz 1947: Die Nacht, in der die Fluh explodierte

Historische Schwarzweissaufnahme um 1930 vom Kirchhorn gegen Osten: helle Felswand der Fluh über dem Talboden von Mitholz, davor Bahnkurve, Strasse und verstreute Häuser.
Die Fluh bei Mitholz um 1930, vor dem Bau des Lagers. 1941–1945 entstanden darin sechs Kammern für rund 7.000 Bruttotonnen Munition. Das Lager war geheim.L+T (Eidgenössische Landestopographie) / Schweizerisches Bundesarchiv E5150A#2008/190#204* / Wikimedia Commons, Public Domain · PD
  1. Anwohner hören ein Rollen „wie von einer Camionkolonne“
  2. Erste grosse Explosion, Flammen aus allen Toren
  3. Zweite Explosion, in Zürich seismisch registriert
  4. Grösste Explosion, die Nordseite der Fluh bricht ein
  5. Weitere Explosionen, Felsstürze bis 30.12.
Polizeifoto vom 29. Dezember 1947 mit nummerierten Markierungen: Schutthang unter der Fluh, Standort des zerstörten Stationsgebäudes, verschüttetes Gleis zum Stolleneingang und die Bahnschleife der BLS.
Die zerstörte Station Blausee-Mitholz am 29.12.1947. Neun Menschen starben, mehr als 200 wurden obdachlos. Foto: Polizeikommando Bern (PD)Kpl. Christen, Polizeikommando des Kantons Bern, Erkennungsdienst / Staatsarchiv Bern BB 14.1.408 / Wikimedia Commons, Public Domain · PD

«Meine Schwester zog sich aber die Pantoffeln meiner Mutter über. Diese verlor sie dann auf der Flucht durch den Wald und hatte furchtbar kalt.»

Regina Trachsel, Zeitzeugin, 1947 neun Jahre alt (gegenüber SRF) · 2018-07-01

Wie viel explodierte?

Die Quellen widersprechen sich: rund 840 t (Arbeitsgruppe 2020), rund 3.000 t (Armee 1947), etwa die Hälfte bzw. rund 4.000 t (SRF). Die Ursache ist bis heute ungeklärt.

Zweiteiliger schematischer Querschnitt (nicht maßstabsgetreu). Oben die Anlage 1941–1947: Felswand der Fluh mit Felsüberdeckung, Bahnstollen rund 20 m im Fels parallel zur Wand, Kammern bis 149 m tief in den Berg, davor Strasse, Bahnlinie und Dorf. Unten heute: Schuttkegel des Felssturzes vor dem verschütteten Bahnstollen, rote Punkte für bis zu 3500 t Munition, Sicherheitsperimeter mit Wegzug, Schutzbauten für Bahn und Strasse und Zeitachse 2023 bis 2047.
Schematischer Querschnitt (nicht maßstabsgetreu): Kammern, verschütteter Bahnstollen, Bahn, Dorf. Im Berg liegen noch mehrere tausend Tonnen Munition.Eigenproduktion geheimprojekte.eu nach Kellerhals + Haefeli 2010 [Q4], VBS Risikoanalyse 2018 [Q3] und VBS Projektseite 2026 [Q2] · OWN

Räumung bis 2047

Kredit: 2,59 Mrd. Franken. Wer im Sicherheitsperimeter wohnt, muss wegziehen; dank abgestufter Perimeter können mehr bleiben als zunächst erwartet. Ende voraussichtlich 2047.

Zum vollständigen Deep Dive Weiterlesen: Deep Dive · regierungsbunker-ahrweiler · projekt-riese · vajont-1963

Blick von oben in den ovalen steinzeitlichen Bau D auf Göbekli Tepe mit zwei 5,50 Meter hohen T-förmigen Kalksteinpfeilern im Zentrum und einem Ring weiterer Pfeiler.
Foto: Dosseman, Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0) · CC-BY-SA-4.0

ARCHÄOLOGIE · SÜDOSTANATOLIEN · CA. 9600–8000 V. CHR.

Göbekli Tepe: Die Steinkreise der Eiszeit-Jäger

Monumentalbauten vor Ackerbau und Keramik

Auf einem 770 Meter hohen Kalksteinrücken nahe Şanlıurfa errichteten Jäger und Sammler ab ca. 9600 v. Chr. mindestens 20 runde Sondergebäude mit tonnenschweren T-Pfeilern.

Blick von oben in den ovalen steinzeitlichen Bau D auf Göbekli Tepe mit zwei 5,50 Meter hohen T-förmigen Kalksteinpfeilern im Zentrum und einem Ring weiterer Pfeiler.
Anlage D: Die beiden zentralen T-Pfeiler 18 und 31 ragen 5,50 m hoch auf (je 8–10 t); im Steinbruch liegt noch ein unvollendeter Rohling von 7 m Länge und 50 t Gewicht.Foto: Dosseman, Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0) · CC-BY-SA-4.0

Die Entdeckung von Wohnbauten im Jahr 2015 führte zu einer Neuinterpretation von Göbekli Tepe als Siedlung statt als rein ritueller Ort.

Dr. Lee Clare, Grabungsleiter des Deutschen Archäologischen Instituts (Documenta Praehistorica LI, 2024) · 2024-08-06
Detailaufnahme eines auf einer T-Pfeiler-Breitseite von Göbekli Tepe im Flachrelief ausgearbeiteten Raubtiers (Leopard/Löwin) im Profil.
Raubkatzen-Reliefs auf den Pfeilern: 2017 wurden zudem drei mit Feuerstein eingekerbte Kultschädel und 2023 in Anlage D eine rot-weiß-schwarz bemalte Eberstatue entdeckt.Foto: Guérin Nicolas, Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0) · CC-BY-SA-3.0
  1. Älteste Nutzungsphase (PPNA): Bau der runden Sondergebäude A–D sowie erster Wohnhäuser und Zisternen.
  2. Jüngere Phase (PPNB): Rechteckbauten mit Terrazzoböden und kleineren T-Pfeilern an den Hängen.
  3. Ersterfassung durch Peter Benedict (1963); Klaus Schmidt erkennt 1994 die neolithischen T-Pfeiler.
  4. Nachweis von Wohnsiedlung, 7.268 Mahlwerkzeugen, Schädelkult (2017) und bemalter Eberstatue (2023).
Nahaufnahme von Pfeiler 43 in Göbekli Tepe mit eingemeißelten Reliefs eines Geiers mit ausgebreiteten Flügeln, eines Skorpions und dreier taschenartiger Symbole.
Pfeiler 43 („Geierstein“): Ein 14C-Datum aus Anlage D (9745–9314 cal BC) und der kopflose Mann widerlegen die Kometen-These für 10.950 v. Chr. und verweisen auf den Schädelkult.Foto: Dosseman / Collage: Pataliputra!, Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0) · CC-BY-SA-4.0
Senkrechtes Luftbild des Hauptgrabungsbereichs von Göbekli Tepe mit den runden Kammbauten A, B, C und D unter dem modernen Schutzdach.
Luftbild der Hauptgrabung: Nicht rituelles Zuschütten, sondern schwere Hangrutsche begruben die Bauten dieses 2018 zum UNESCO-Welterbe erklärten Zentrums.Foto: Deutsches Archäologisches Institut (DAI), E. Küçük / Laura Dietrich et al. (PLOS ONE 2019), Wikimedia Commons (CC BY 4.0) · CC-BY-4.0

Zum vollständigen Deep Dive Weiterlesen: Deep Dive · hallstatt-salzbergbau · roemerlager-oberaden

Nahaufnahme des blinden, bräunlichen Wasserskorpions Nepa anophthalma mit ausgeprägten Fangbeinen auf einer hellen, schwammartigen Mikrobenmatte.
Foto: Traian Brad, Sanda Iepure & Șerban M. Sârbu (Diversity 2021), Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0) · CC-BY-SA-4.0

WISSENSCHAFT & HÖHLEN · RUMÄNIEN · SEIT 1986

Movile-Höhle: 2,5 Millionen Jahre ohne Sonnenlicht

Der Zufallsfund im Kraftwerksschacht 1986

Im Juni 1986 stieß der Geologe Cristian Lascu bei Baugrundbohrungen nahe Mangalia in 18 Metern Tiefe auf ein 240 Meter langes Höhlenlabyrinth ohne natürlichen Eingang.

Schematische Querschnittszeichnung der Movile-Höhle mit dem Lake Room und den beiden abgeschlossenen Luftglocken Air-Bell I und Air-Bell II über dem blau dargestellten Höhlenwasser.
Längsprofil der Höhle: In den abgetauchten Luftglocken (Air Bells I & II) sinkt der Sauerstoff auf 7–16 %, während CO2 (bis 3,5 %), Methan und Schwefelwasserstoff die Luft füllen.Grafik: Kristmac, Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0) · CC-BY-SA-4.0

Die Movile-Höhle bildet den Zugang zum ersten jemals entdeckten terrestrischen, selbsterhaltenden Ökosystem, das auf chemoautotroph fixiertem Kohlenstoff beruht.

UNESCO World Heritage Centre, Tentative List Dossier Ref. 6761 (Ministry of Culture Romania, 2024) · 2024-04-15
Fünfteilige wissenschaftliche Fototafel mit einem rötlichen Höhlenegel, weißen blinden Wasserasseln, Elektronenmikroskop-Aufnahmen von Muschelkrebsen, einem Wasserskorpion und kleinen weißen Höhlenschnecken.
51 bis 52 Wirbellosenarten leben in der Höhle, 35 bis 37 davon sind Endemiten – darunter der blinde Wasserskorpion Nepa anophthalma und der Höhlenegel Haemopis caeca.Tafel: Traian Brad, Sanda Iepure & Șerban M. Sârbu (Diversity 2021), Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0) · CC-BY-SA-4.0
  1. Beginn der Höhlenbildung im sarmatischen Kalkstein durch hypogene Schwefelsäure-Korrosion.
  2. Quartäre Ton- (1–5 m) und Lössschichten (15–30 m) versiegeln die Höhle vollständig.
  3. Entdeckung durch Cristian Lascu in 18 m Tiefe bei Mangalia; 0 % Tschernobyl-Isotope im Wasser.
  4. Nachweis der Chemosynthese in Science (1996); Aufnahme auf die UNESCO-Tentativliste (2024).
Zweiteilige wissenschaftliche Aufnahme des gelblich durchscheinenden, augenlosen Hundertfüßers Cryptops speleorex vor schwarzem Hintergrund mit Maßstabsbalken.
Der 2020 beschriebene Hundertfüßer Cryptops speleorex: Die 240 m lange Höhle ist nur ein Fenster in einen über 50 km² großen Aquifer, den Arten in mehreren Wellen besiedelten.Foto: Varpu Vahtera, Pavel Stoev & Nesrine Akkari (ZooKeys 1004, 2020), Wikimedia Commons (CC BY 4.0) · CC-BY-4.0

Dreifache Luftschleusen und Modell für den Mars

Drei luftdichte Schleusentore und ein striktes Zutrittsverbot schützen das empfindliche Ökosystem – ein Schlüsselmodell der Astrobiologie für Leben unter der Oberfläche des Mars.

Zum vollständigen Deep Dive Weiterlesen: Deep Dive · naturreaktor-oklo · pluragrotta-2014

Geöffnetes, knapp einen halben Meter dickes Stahldrucktor der Mosler Safe Company am Eingang zu Project Greek Island hinter der gelben Tapete der Colonial Hall im Hotel The Greenbrier.
Z22 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 · CC-BY-SA-4.0

Geheime Anlagen · West Virginia, 1958–1992

Project Greek Island: Geheimer Bunker des US-Kongresses

Geöffnete gelbe Tarnwand mit floralem Muster von Dorothy Draper im Konferenzbereich des Greenbrier-Hotels, dahinter der graue Betontunnel und das Drucktor zum geheimen Kongressbunker.
Hinter einer gelben Designer-Tapete von Dorothy Draper verbarg sich im 5-Sterne-Resort The Greenbrier 30 Jahre lang ein über 20 Tonnen schweres Stahldrucktor.Z22 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 · CC-BY-SA-4.0
Weißer klassizistischer Säulenportikus am Nordeingang des Grandhotels The Greenbrier in White Sulphur Springs, West Virginia, mit Vorfahrt und bewaldeten Allegheny-Hügeln im Hintergrund.
Seit 1778 Kurort, im Zweiten Weltkrieg Diplomaten-Internierungslager und US-Militärhospital: Präsident Eisenhower wählte das 400 km von Washington entfernte Resort ab 1955 aus.Bobak Ha'Eri / Wikimedia Commons, CC BY 3.0 · CC-BY-3.0
Außenansicht des weißen West Virginia Wing auf einer begrünten Anhöhe des Hotels The Greenbrier in White Sulphur Springs, unter dessen Fundamenten zwischen 1959 und 1962 der Kongressbunker Project Greek Island errichtet wurde.
Von 1959 bis Oktober 1962 entstand der dreigeschossige West Virginia Wing – und direkt darunter aus 50.000 Tonnen Beton der 10.456 m² große Kongressbunker.Z22 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 · CC-BY-SA-4.0

This is an exhibit hall? We've got 110 urinals we just installed. What in the hell are you going to exhibit?

Bauunternehmer gegenüber Greenbrier-Direktor E. Truman Wright (ca. 1961), Beim Einbau der überdimensionierten Sanitäranlagen in der als Messehalle getarnten Exhibit Hall (zit. n. Ted Gup, Washington Post) · 1961
Schematischer Querschnitt (nicht maßstabsgetreu) durch den West Virginia Wing des Hotels The Greenbrier und die darunterliegende zweigeschossige Bunkeranlage Project Greek Island mit Exhibit Hall, Parlamentskammern, 18 Schlafsälen, 14-Betten-Klinik, Kraftwerk und vier Drucktoren.
Auf zwei Ebenen lagen drei Parlamentskammern, 18 Schlafsäle (1.080 Betten), eine 14-Betten-Klinik mit OP-Saal, TV-Studio und drei 675-kW-Dieselgeneratoren.Eigenproduktion geheimprojekte.eu nach Daten von Washington Post [Q1], PBS/Bugas [Q2], AHF [Q3], NPS [Q4], e-WV [Q5], Smithsonian [Q6] und Greenbrier [Q7] · OWN

Forsythe Associates: Die getarnten TV-Techniker

12 bis 15 Regierungsbeamte unter John Londis und später Paul ‚Fritz' Bugas arbeiteten im Hotel als Fernsehtechniker – und hielten den Bunker 30 Jahre lang einsatzbereit.

Kubakrise, Ehepartner-Streit und Raketen-Paradoxon

Nur in der Kubakrise 1962 herrschte volle Bereitschaft. Später machten unter 30 Minuten ICBM-Vorwarnzeit bei 4–5 Stunden Anreise und die Familienfrage den Plan fragwürdig.

  1. Geheimabkommen unter Eisenhower; Bau des Bunkers unter dem West Virginia Wing (10.456 m²)
  2. Fertigstellung kurz vor der Kubakrise: Einzige volle Alarmbereitschaft für den US-Kongress
  3. Ted Gup enthüllt Project Greek Island im Washington Post Magazine (‚The Last Resort')
  4. Ende des Regierungsmietvertrags, Deklassifizierung und Öffnung für tägliche Führungen

Zum vollständigen Deep Dive Weiterlesen: Deep Dive · regierungsbunker-ahrweiler · projekt-riese

Die doppelt gekrümmte, 261,6 Meter hohe Beton-Bogenstaumauer des Vajont in der engen Kalksteinschlucht zwischen Friaul und Venetien, dahinter der begrünte Schuttberg des Monte-Toc-Bergsturzes, gesehen von Erto.
VENET01 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 · CC-BY-SA-4.0

Katastrophen & Geologie · Vajont, 9. Oktober 1963

Vajont 1963: Als 270 Millionen m³ Fels den Stausee trafen

Weltrekord in der Kalksteinschlucht

Von 1957 bis 1959 baut SADE nach Plänen von Carlo Semenza eine 261,6 m hohe Bogenstaumauer für 168,7 Mio. m³ Wasser – an der Krone nur 3,40 m schmal.

Blick auf die steile, helle Kalkstein-Gleitfläche am Nordhang des Monte Toc und den davor aufgetürmten 260 bis 270 Millionen Kubikmeter großen Schuttkörper, der das einstige Staubecken des Vajont ausfüllt.
Geologe Edoardo Semenza entdeckt 1960 eine alte Gleitfläche am Monte Toc. Beim ersten Einstau reißt am 4. November 1960 eine 2,2 km lange M-Spalte auf.VENET01 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 · CC-BY-SA-4.0
Dreiteiliger schematischer Querschnitt (nicht maßstabsgetreu) der Vajont-Katastrophe: Panel 1 zeigt Geologie und Einstau 1960–1963 im Querprofil (Nordhang des Monte Toc mit urzeitlicher Gleitfläche aus 0,5–15 cm dünnen Smektit-/Illit-Tonlagen, 2,2 km langer M-förmiger Abrissfuge von 1960 und Einstau auf 715 m bzw. Absenkung auf 700,4 m s.l.m.); Panel 2 zeigt die Katastrophe am 9. Oktober 1963 um 22:39 Uhr im Querprofil (Abgang von 260–270 Mio. m³ Fels in 20–45 s mit bis zu 90–110 km/h und Aufbranden der Flutwelle am Gegenhang bis ~930 m s.l.m. Richtung Casso); Panel 3 zeigt im Längsschnitt die Überströmung der intakten 261,6-m-Bogenstaumauer durch ~25 Mio. m³ Wasser (Scheitel > 100–150 m über der Krone) Richtung Piave-Tal und Longarone.
Im Oktober 1963 kriecht der Nordhang über 20 cm pro Tag. Am 9. Oktober um 22:39 Uhr rasen rund 270 Mio. m³ Fels auf dünnen Tonlagen mit bis zu 108 km/h in den See.Eigenproduktion geheimprojekte.eu nach Daten von MIT Dighe [Q1], Protezione Civile [Q2], IUGS [Q3], ASDSO [Q4] und BEIC [Q5] · OWN
Blick von der Krone der Vajont-Staumauer auf den haushoch hinter der Betonmauer aufgetürmten Fels- und Schuttkörper des abgerutschten Monte Toc, der das ehemalige Staubecken vollständig verfüllt.
Der Bergsturz verdrängt 50 Mio. m³ Wasser: Die Welle brandet bis 930 m ü. M. nach Casso hoch, ~25 Mio. m³ schießen über die intakte 261,6-m-Staumauer ins Tal.Frisia Orientalis / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 · CC-BY-SA-3.0

Nur ganz oben, dort wo die Wassermassen über den Damm traten, sieht man einige Beschädigungen, … ansonsten aber steht der Damm.

Zitiert im Deutschlandfunk-Kalenderblatt von Irene Meichsner (Q6), Zitat aus dem Deutschlandfunk-Kalenderblatt „Tod in den Alpen“ (2013) · 9. Oktober 2013
Historische Schwarzweißaufnahme der U.S. Army (SETAF) vom Oktober 1963: Wo vor dem 9. Oktober 1963 die Kleinstadt Longarone im Piave-Tal stand, erstreckt sich nach dem Durchgang der Flutwelle nur noch eine graue Geröll- und Schlammwüste mit freigelegten Fundamentresten.
Longarone nach der Flutwelle (Aufnahme der U.S. Army): Je nach Quelle sterben 1.910 (MIT/BEIC), 1.917 (Zivilschutz) bzw. mehr als 2.056 Menschen (ASDSO/DLF).U.S. Army (Southern European Task Force / SETAF) / Wikimedia Commons, Public Domain · PD
  1. Bau der 261,60 m hohen Bogenstaumauer in der Vajont-Schlucht durch SADE
  2. 800.000 m³ Vorrutschung am Monte Toc; 2,2 km lange M-Spalte reißt auf
  3. 260–270 Mio. m³ Fels stürzen in den See; ~25 Mio. m³ Wasser überströmen die Mauer
  4. Kassationsgerichtshof in Rom bestätigt Haftstrafen wegen fahrlässiger Tötung
  5. IUGS nimmt die Vajont-Rutschung in die „First 100 Geological Heritage Sites“ auf

Zum vollständigen Deep Dive Weiterlesen: Deep Dive · lake-peigneur-1980 · wunder-von-lengede-1963 · grimberg-1946

Die Gedenkstätte für das Grubenunglück von Lengede am 24. Oktober 1963 in Lengede-Broistedt mit den beiden Gedenkmauern: Links die Inschrift „SIE RUHEN SECHZIG METER UNTER UNS“ mit elf Namenstafeln für die elf ungeborgen unter Tage verbliebenen Bergleute (zehn im „Alten Mann“ in rund 56 Metern Tiefe auf der 60-m-Sohle Verstorbene sowie der verschollene Reinhard Guth), rechts dahinter „SIE WURDEN AUF IHREN HEIMATFRIEDHÖFEN BESTATTET“ mit neun Doppeltafeln (18 Namen) für die 18 geborgenen Todesopfer.
Markscheider / Wikimedia Commons, CC BY 3.0 · CC-BY-3.0

Bergbau & Katastrophen · Lengede, 24. Oktober 1963

Wunder von Lengede 1963: 14 Tage im „Alten Mann“ überlebt

Schematischer Querschnitt (nicht maßstabsgetreu) der Eisenerzgrube Lengede-Broistedt: Oben der durchgebrochene Klärteich 12 (460.000 bis 500.000 m³ Schlamm), darunter die 1. Rettung auf der 40-m-Sohle (7 Mann per Floß durch vier Steiger am 25.10.), die 3. Rettung auf der 60-m-Sohle im Bruchhohlraum „Alter Mann“ (-55 bis -60 m, 21 Geflüchtete, 10 Tote, 11 Überlebende am 07.11., Pressluftleitung durch Elektroingenieur Helmut Borges, unabsichtlich schräge Suchbohrung Ø 42/58 mm wegen Schienenstrang und Rettungsbohrung Ø 406/480 mm mit 15-atü-Pressluftspülung), die 2. Rettung auf der 80-m-Sohle bei Barbecke (-79 m, Überdruck-Luftblase 1,4 atü, Rettung von Emil Pohlai, Fritz Leder und Gerhard Hanusch am 01.11.) sowie die geflutete 100-m-Sohle (29 Tote gesamt: 18 geborgen, 11 für immer unter Tage).
Am 24. Oktober 1963 um 20:00 Uhr bricht Klärteich 12 ein: Bis zu 500.000 m³ Schlamm fluten die Grube, während 129 Bergleute unter Tage arbeiten.Eigenproduktion geheimprojekte.eu nach Daten von NLA Wolfenbüttel [Q1], Gemeinde Lengede [Q2], NDR [Q3], DLF [Q4], DER SPIEGEL [Q5, Q6] · OWN

Floß-Rettung und Luftblase Barbecke

79 Mann entkommen in der ersten Nacht, sieben retten vier Steiger am 25. Oktober per Floß. Am 1. November werden Pohlai, Leder und Hanusch aus 79 m Tiefe geborgen.

Das war die Luft zum Bohren, für die Bohrhämmer, dadurch kriegten wir dann Luft. Wir haben ganz schon gefroren da.

Dieter Richey, Überlebender der 14 Tage im „Alten Mann“ (zitiert nach Deutschlandfunk, Q4) · 1963
Eingefasste Bohrstelle an der Gedenkstätte Lengede: Links ragt das dünne Stahlrohr der Such- und Versorgungsbohrung (58 mm Durchmesser laut Denkmaltafel, 42 mm laut NDR-Dossier) aus dem Kiesbett, rechts der Rohrstumpf der Rettungsbohrung (480 mm laut Denkmaltafel, 406 mm Innendurchmesser der Verrohrung) zum „Alten Mann“.
Weil ein Schienenstrang im Weg liegt, bohrt das Gerät leicht schräg und trifft am 3. November den „Alten Mann“. Um 06:45 Uhr klopft Bernhard Wolter ans Rohr.TeWeBs / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 · CC-BY-SA-3.0
Museumspräsentation der originalen, 2,50 Meter langen und 38,5 Zentimeter schmalen Dahlbuschbombe in einem aufgeschnittenen Bohrrohr vor nachgebildeter Felswand im Deutschen Museum München.
Ab 40 m Tiefe bläst 15-atü-Pressluft das Bohrmehl trocken aus. Nach dem Durchbruch am 7. November um 06:07 Uhr zieht die 38,5-cm-Dahlbuschbombe alle elf Kumpel hoch.Saupreiß / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 · CC-BY-SA-3.0
  1. Klärteich 12 bricht ein; 79 von 129 Bergleuten entkommen in der ersten Nacht
  2. 7 Mann per Floß (-40 m) sowie Pohlai, Leder und Hanusch aus Barbecke (-79 m) gerettet
  3. Schrägbohrung trifft den „Alten Mann“; 11 von 21 Geflüchteten klopfen ans Rohr
  4. Bergung der elf Überlebenden in der Dahlbuschbombe vor 449 Journalisten
  5. Trotz Anklage wegen fahrlässiger Tötung kommt es aus Mangel an Beweisen zu keinem Prozess

Zum vollständigen Deep Dive Weiterlesen: Deep Dive · grimberg-1946 · lake-peigneur-1980 · vajont-1963

Archäologische Ausgrabungsaufnahme im Salzbergwerk Hallstatt: Ein Forscher legt die hölzernen Stufen und Seitenholme der auf 1344/1343 v. Chr. datierten Stiege im Christian-von-Tusch-Werk frei.
Foto: Andreas W. Rausch / Naturhistorisches Museum Wien (Prähistorische Abteilung, Abb. Salz-Reich 2008, S. 62), CC BY 3.0, via Wikimedia Commons · CC-BY-3.0

Hallstatt · Salzkammergut · ab 1500 v. Chr.

Hallstatt: 3.500 Jahre unter Tage im urzeitlichen Salzberg

Das »Heidengebirge« im Berg

Ab 1500 v. Chr. trieben Bergleute Schrägschächte über 100 m tief ins Salz. Der Gebirgsdruck schloss die Stollen und konservierte Kienspäne, Werkzeuge, Textilien und Speisereste.

Vollständig im Salz konservierter prähistorischer Tragsack aus ungegerbtem Rinderfell mit Holzverstärkung und Trageriemen in einer Vitrine des Naturhistorischen Museums Wien.
Bronzezeitlicher Tragsack aus Rinderfell (ca. 1500–1245 v. Chr.): Bis zu 45 kg Salz wurden darin befördert; ein seitlicher HolzKnebel entleerte die Last mit einem Handgriff.Joanbanjo, 6.12.2013, CC BY-SA 3.0 · CC-BY-SA-3.0

1344/1343 v. Chr.: Die älteste Holzstiege Europas

2002 im Christian-von-Tusch-Werk entdeckt: Über 8 m lang, bis fast 1,40 m breit, aus Fichte, Tanne und Buche komplett ohne Nägel oder Seile im Baukastenprinzip errichtet.

Untertägige Steinsalzwand im Salzbergwerk Hallstatt mit deutlich sichtbaren, parallel geschlagenen Schrämmrillen und der herzförmigen Ausbruchspur eines eisenzeitlichen Salzblocks.
Eisenzeitliche Pickelspuren in der Ostgruppe: Mit Bronzepickeln schlugen Bergleute parallele Rillen ins Salz und brachen bis fast 100 kg schwere »Herzen« aus der Wand.Foto: Andreas W. Rausch / Naturhistorisches Museum Wien (Prähistorische Abteilung, Abb. Salz-Reich 2008, S. 88), CC BY 3.0, via Wikimedia Commons · CC-BY-3.0
  1. Jungsteinzeitliche Hirschgeweihhacke belegt erste Salzgewinnung an Solequellen.
  2. Fälldatum der über 8 m langen bronzezeitlichen Holzstiege im Christian-von-Tusch-Werk.
  3. Blütezeit der Hallstattkultur: Großhallen in über 200 m Tiefe und Gräberfeld im Hochtal.
  4. Bergung des »Mannes im Salz« im Kilbwerk am 2. April; Bestattung am 3. April am Friedhof.
  5. Ramsauer entdeckt das Gräberfeld (1846); im Tusch-Werk taucht die Holzstiege auf (2002).

… doch sicht man noch von seinem rockh etlich flöckh, wie auch die S. V. Schuech an denen füeßen.

Hallstätter Salinenakten, Bericht zum Fund des »Mannes im Salz« im Kilbwerk, geborgen am 2. April 1734 und bestattet am 3. April 1734 · 1734-04-02
Historische kolorierte Aquarellzeichnung aus der Grabungsdokumentation von Johann Georg Ramsauer (1846–1863): Skelettbestattungen und Brandgräber mit Bronzeschwertern, Gefäßen und Schmuck im Hallstätter Hochtal.
Koloriertes Grabungsprotokoll von Johann Georg Ramsauer (1846–1863): 980 Gräber mit Elfenbein, Ostsee-Bernstein und Bronze gaben der Hallstattkultur ihren Namen.Aquarell aus dem Grabungsprotokoll von Johann Georg Ramsauer (1846–1863, Zeichner: Isidor Engl / Bernhard Niedermoser), Naturhistorisches Museum Wien, Public Domain, via Wikimedia Commons · PD

Die ganze Geschichte mit allen Quellen: zum Deep Dive Weiterlesen: Deep Dive · grimberg-1946 · pluragrotta-2014 · roemerlager-oberaden

Das historische Herrenhaus von Joseph Jefferson unter alten Eichen mit Spanischem Moos auf dem erhöhten Salzstockhügel von Jefferson Island am Lake Peigneur, Louisiana.
Z28scrambler / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 · CC-BY-SA-4.0

Katastrophen · Louisiana, 20. November 1980

Der Tag, an dem ein ganzer See in einem Salzbergwerk verschwand

Historische Aufnahme einer menschenleeren unterirdischen Salzkammer im Kammer-Pfeiler-Bau mit massivem tragendem Salzpfeiler und Salz-Haufwerk am Kammerboden (Nachbarsalzstock Avery Island, Iberia Parish, Louisiana, USGS Bulletin 845, 1933).
Unter dem nur ein bis drei Meter tiefen See baute Diamond Crystal auf vier Sohlen bis in 457 Meter Tiefe Steinsalz in haushohen Kammern ab.United States Geological Survey (USGS Bulletin 845, 1933) / Wikimedia Commons, Public Domain · PD
Schematische Infografik (nicht maßstabsgetreu) des Lake-Peigneur-Unglücks mit der Bohrplattform P-20, dem Bohrdurchbruch bei 1.218 bzw. 1.228 bis 1.248 Fuß (~371–380 m) in die 1.300-Fuß-Sohle, der Evakuierung über die 1.000-Fuß-Sohle und dem rückwärts fließenden Delcambre-Kanal.
Am 20. November 1980 verlor die Bohrung P-20 in 1.218 bzw. 1.228 bis 1.248 Fuß (~371–380 m) Tiefe die Bohrspülung – direkt im Bereich der 1.300-Fuß-Sohle.Eigenproduktion geheimprojekte.eu nach Daten von MSHA (1981) und Autin (1984) · OWN

08:10 Uhr unter Tage: Dreimal blinkt das Licht

Auf der 1.300-Fuß-Sohle hört Elektriker Junius Gaddison aufschwimmende Dieselfässer poltern. Süßwasser frisst die Salzpfeiler weg – er löst den Evakuierungsalarm aus.

Das historische Herrenhaus von Joseph Jefferson unter alten Eichen mit Spanischem Moos auf dem erhöhten Salzstockhügel von Jefferson Island am Lake Peigneur, Louisiana.
Über Rampen erreichen alle 51 Eingefahrenen die trockenere 1.000-Fuß-Sohle. Bis kurz vor 09:00 Uhr bringt der Förderkorb jeden Einzelnen unverletzt ans Tageslicht.Z28scrambler / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 · CC-BY-SA-4.0

Ein Strudel verschluckt elf Lastschuten

An der Oberfläche reißt ein 400 Meter breiter Strudel zwei Bohranlagen, einen Schlepper, elf Lastschuten und rund 26 bis 28 Hektar Uferland samt Gewächshäusern in die Tiefe.

Deutschsprachiges geologisches Schemaprofil eines aufsteigenden Salzdiapirs (Salzstocks) mit Hutgestein (Caprock) und den an den steilen Flanken entstandenen Erdöl- und Erdgas-Fallenstrukturen.
Als das Seebecken leerläuft, kehrt der 19 Kilometer lange Delcambre-Kanal seine Fließrichtung um: Zwei Tage lang strömt Salzwasser vom Golf von Mexiko rückwärts in den Krater.Thomas Binder (User:B.Thomas95) / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 · CC-BY-SA-4.0

Serata wies darauf hin, dass ein fortgesetzter Abbau in diesem Bereich die Möglichkeit eines katastrophalen Wassereinbruchs mit sich bringe.

MSHA Investigation Report, Befund zum geomechanischen Warngutachten vom 27. Dezember 1971 · 1981
  1. Spülungsverlust und festsitzender Meißel auf Bohrinsel P-20 bei 1.218/1.228–1.248 Fuß
  2. Alarm auf der 1.300-Fuß-Sohle und Rettung aller 51 Personen über die 1.000-Fuß-Sohle
  3. Delcambre-Kanal fließt rückwärts; aus dem flachen Süßwassersee wird ein 60 m tiefer Salzsee
  4. Außergerichtlicher Vergleich über 44,8 Mio. US-Dollar zwischen Texaco, Wilson Bros. und Diamond Crystal

Zum vollständigen Deep Dive Weiterlesen: Deep Dive · grimberg-1946 · hallstatt-salzbergbau

Nahaufnahme leuchtend gelb-orangefarbener Francevillit- und Curienit-Kristalle auf dunklem Matrixgestein aus der Uranmine Mounana im Franceville-Becken (Provinz Haut-Ogooué, Gabun).
Foto: Didier Descouens / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 · CC-BY-SA-3.0

Oklo · Franceville-Becken (Gabun) · vor 1,95 Mrd. Jahren

Oklo: Der zwei Milliarden Jahre alte Atomreaktor der Natur

Alarm in der Atomanlage Pierrelatte

Im Mai/Juni 1972 maß ein Labor im französischen Pierrelatte im Uranerz aus Gabun nur 0,7171 statt 0,7202 % Uran-235. Rund 200 kg Uran-235 fehlten.

Schwarz-Weiß-Aufnahme der historischen Funken-Massenspektrometer-Fotoplatte der Uranerzprobe OKLO 311 mit dem Isotopenspektrum der Spalt- und Zerfallsprodukte (Massenzahlen 90 bis 165 sowie 206–208 Pb, 232 Th, 235 U, 238 U).
Funken-Massenspektrometer-Fotoplatte der Uranerzprobe OKLO 311: Spalt- und Zerfallslinien (Massen 90–165, 206–208 Pb, 232 Th, 235/238 U) belegen die natürliche Kernspaltung.Foto: JFZ0413 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 · CC-BY-SA-4.0
Geologische Übersichtskarte von Gabun und dem paläoproterozoischen Franceville-Becken aus El Albani et al. (2014); ein Stern markiert den Gabonionta-Fossilsteinbruch Moulendé bei Franceville.
Geologische Karte des Franceville-Beckens (Stern = Gabonionta-Steinbruch): In 15 bis 17 Reaktorzonen sank der U-235-Gehalt auf 0,440 % (Probe M) bis hinab zu 0,296 %.Grafik: Abderrazak El Albani et al. (2014), PLoS ONE 9(6): e99438, Fig. 1, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons · CC-BY-3.0

30 Minuten Betrieb – 2,5 Stunden Abkühlpause

Aus Xenon-Isotopen in Aluminiumphosphat-Körnern der Zone RZ-13 rekonstruierten Physiker 2004 den Takt: Über Hunderttausende Jahre pulsierte Oklo im 3-Stunden-Rhythmus (< 100 kW).

  1. Große Sauerstoffkatastrophe: Gelöstes Uran sammelt sich im Sedimentbecken von Franceville.
  2. Bei > 3 % U-235 zünden in Oklo, Okélobondo und Bangombé 15 bis 17 natürliche Reaktorzonen.
  3. Paul K. Kuroda berechnet die vier Bedingungen für natürliche Kernreaktoren in der Erdgeschichte.
  4. In Pierrelatte fällt das U-235-Defizit (0,7171 %) auf; Bekanntgabe am 25. September 1972.
  5. Meshik et al. entschlüsseln den 3-Stunden-Geysirtakt (2004); Bohrkern kommt ans NHM Wien (2018).

The big question we addressed was: When it reached criticality, why didn’t it blow up? We found the answer in the xenon.

Dr. Alex P. Meshik, Physiker an der Washington University in St. Louis (zur Publikation in Physical Review Letters, 11. November 2004) · 2004-11-11
Museumsaufnahme aus dem Naturhistorischen Museum Wien: Ein rund 2,1 Milliarden Jahre altes dunkles Sedimentgestein aus dem Franceville-Becken in Gabun mit einem goldglänzend pyritisierten mehrzelligen Fossil (Gabonionta).
2,1 Mrd. Jahre altes Gestein (mit Gabonionta-Fossil) aus dem Franceville-Becken im NHM Wien (die 2018 übergebenen Oklo-Bohrkerne liegen in Saal 4): > 2 t Pu-239 blieben im Fels.Foto: Markus Köllner / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 · CC-BY-SA-4.0

Die ganze Geschichte mit allen Quellen: zum Deep Dive Weiterlesen: Deep Dive · grimberg-1946 · pluragrotta-2014

Blick über den Utah Lake auf den kargen Höhenzug der Lake Mountains in Utah County, in dessen Kalksteinmassiv sich die im Dezember 2009 dauerhaft mit Beton versiegelte Nutty Putty Cave befindet.
An Errant Knight / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 · CC-BY-SA-4.0

Katastrophen · Utah County, 24./25. November 2009

Nutty Putty Cave: 27 Stunden in 30 Metern Tiefe

Winterliches Panorama der schneebedeckten Lake Mountains über dem Utah Valley: Aufsteigender warmer Wasserdampf über dem gefrorenen Kalkstein führte 1960 zur Entdeckung der hydrothermalen Höhle.
1960 entdeckte Dale Green in den Lake Mountains ein 425 Meter langes Höhlensystem, aus dem im Winter warmer Dampf aufstieg und dessen Wände bröseliger Kalzit überzog.An Errant Knight / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 · CC-BY-SA-4.0
Karge Wüsten- und Kalksteinlandschaft des Cedar Valley an der Westflanke der Lake Mountains in Utah County auf staatlichem Treuhandland der SITLA.
Über 50.000 Menschen besuchten die Höhle seit 1960. Nach vier Rettungseinsätzen wurde sie im Mai 2006 gesperrt und erst im Mai 2009 mit Reservierungssystem wieder geöffnet.runt35 / Wikimedia Commons, CC BY 3.0 · CC-BY-3.0
Schematische Infografik (nicht maßstabsgetreu) der Nutty Putty Cave vom Einstieg über den Big Slide und den 41 Meter langen Kriechgang bis zur 70 bis 80 Grad steilen Felsspalte in Ed's Push rund 30 Meter unter der Oberfläche.
Am 24. November 2009 suchte der 26-jährige Medizinstudent John Edward Jones (1,83 m, 91 kg) den „Birth Canal“, kroch jedoch versehentlich in den Seitengang „Ed's Push“.Eigenproduktion geheimprojekte.eu nach Einsatzdaten des Utah County Sheriff's Office (KSL 2009/2019, Deseret News 2009, The Salt Lake Tribune 2018) · OWN

45 × 25 cm Öffnung – und 70 bis 80 Grad kopfüber

Etwa 30 Meter unter der Oberfläche rutschte Jones über einen Felsvorsprung in eine auf 21,5 cm verengte Spalte. Als er wieder einatmete, keilte ihn der Stein kopfüber fest.

Sechs Helfer im 41 Meter langen Kriechgang

Um 0:30 Uhr erreichte Ersthelferin Susie Motola (1,60 m) die Spalte. Von 137 angerückten Rettungskräften waren nur sechs schmal genug für den 41 Meter langen Zugangstunnel.

“Oh, no worries, John,” she told him. “You’re going to be out of here lickety split.” — “Hi, Susie, thanks for coming, but I really, really want to get out.”

Susie Motola, Höhlenretterin und Ersteinsatzkraft vor Ort im Gespräch mit John Edward Jones (Salt Lake Tribune, Q6) · 2009

Drei erfolgreiche Züge – dann bricht der Anker

Mit fast 15 Tandem-Umlenkrollen hoben die Retter Jones am Nachmittag in drei Zügen an, sodass er mit Ehefrau Emily sprach. Beim vierten Zug am Abend riss die Verankerung aus.

  1. John Edward Jones gerät im unkartierten Seitengang „Ed's Push“ kopfüber in die Felsspalte
  2. Ersthelferin Susie Motola erreicht Jones; 6 Helfer bauen im Kalzit ein System aus ~15 Rollen auf
  3. Nach dem Ausreißen der Verankerung am Abend wird kurz vor Mitternacht Johns Tod festgestellt
  4. Deckensprengung durch das Bomb Squad und dauerhafte Versiegelung mit rund 23 m³ Beton

Zum vollständigen Deep Dive Weiterlesen: Deep Dive · lake-peigneur-1980 · grimberg-1946 · pluragrotta-2014

Mit Beton verschalter Hauptstollen im unterirdischen Teilkomplex Osówka im Eulengebirge: Nur ein kleiner Bruchteil des Stollensystems erhielt vor dem Frühjahr 1945 eine vollständige Betonauskleidung.
Aneta Pawska / Wikimedia Commons, CC BY 3.0 · CC-BY-3.0

Bunker & Untergrund · Niederschlesien, 1943–1945

Projekt Riese: Das unvollendete Labyrinth im Gneis

Außenansicht von Schloss Fürstenstein (Zamek Książ) auf dem bewaldeten Felssporn bei Wałbrzych, rund 50 Meter über dem unterirdischen Stollensystem.
Ab Herbst 1943 ließ das NS-Regime im Eulengebirge und 50 Meter unter dem 1943 enteigneten Schloss Fürstenstein (Zamek Książ) bombensichere Stollenanlagen vortreiben.Jakub Hałun / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 · CC-BY-SA-4.0

Vom Firmenkonsortium zum KZ-Komplex „AL Riese“

Ab November 1943 setzte die Schlesische Industriegemeinschaft Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene ein. Wegen langsamen Vortriebs übernahm im April 1944 die Organisation Todt.

13 Außenlager und rund 5.000 Tote

Rund 13.000 jüdische KZ-Häftlinge schufteten in 13 Außenlagern plus Zentralrevier Tannhausen. Rund 5.000 starben, davon 4.775 in den Lagern und 154 kurz nach Kriegsende.

Bis zu zehn Meter hohe, im rohen Gneis ausgesprengte unterirdische Halle im Teilkomplex Rzeczka (Dorfbach / Sztolnie Walimskie) bei Walim.
Die OT-Geheimakten aus dem Nachlass von Siegfried Schmelcher nennen 130 Mio. RM Budget (Speer: 150 Mio. RM), 359.100 m³ Beton und 194.232 m² Nutzfläche für 20.000 Personen.Przykuta / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 · CC-BY-SA-3.0
Schematische Infografik (nicht maßstabsgetreu) des Projekts Riese mit Gebirgsschnitt im Gneis, Vermessungstabelle der sieben Teilkomplexe nach Ochałek et al. (2018) sowie den Eckdaten der Schmelcher-Akten und des Museums Groß-Rosen.
In den sieben Teilkomplexen Włodarz, Osówka, Książ, Soboń, Rzeczka, Jugowice Górne und Sokolec entstanden kilometerlange Stollen – in Włodarz war unter 1 % betoniert.Eigenproduktion geheimprojekte.eu nach Daten von Muzeum Gross-Rosen (Q1/Q9), Zamek Książ (Q2), Sztolnie Walimskie (Q3), Osówka (Q4), Ochałek et al. 2018 (Q5), MDR (Q6), DER SPIEGEL (Q7) und DW (Q8) · OWN

Etwa 5000 überlebten die ‚Riese‘-Arbeitslager nicht, ‚die Zahlen könnten noch steigen‘, erklärt Dorota Sula vom Museum des früheren KZ Groß-Rosen.

Dr. Dorota Sula / Solveig Grothe, Museum des früheren KZ Groß-Rosen (in DER SPIEGEL) · 2018
Stollenanlage rund 50 Meter unterhalb von Schloss Fürstenstein (Zamek Książ): Etwa ein halber Kilometer der Gänge wurde betoniert, rund ein weiterer Kilometer blieb im rohen Fels stehen.
Unter Schloss Fürstenstein sprengten Häftlinge ein bis zu 2 km langes Stollennetz (3.200 m²) samt Aufzugsschacht, während Hermann Giesler die historischen Säle umbaute.Sławek Skierka / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 · CC-BY-SA-3.0
  1. Baubeginn unter der Schlesischen Industriegemeinschaft im Eulengebirge und unter Schloss Fürstenstein
  2. Organisation Todt übernimmt die Leitung; Aufbau der 13 Außenlager von AL Riese (KZ Groß-Rosen)
  3. Räumung der Baustellen und Todesmärsche; Befreiung der Überlebenden im Mai 1945
  4. Magnet- und Schweremessungen der AGH und Grabungen bei Wałbrzych widerlegen den „Nazi-Goldzug“ („no train, no tunnel“)

Zum vollständigen Deep Dive Weiterlesen: Deep Dive · hallstatt-salzbergbau · grimberg-1946

Geöffnetes, 25 Tonnen schweres MAN-Drucktor mit Nummer 60 und angrenzender Dekontaminationsschleuse im erhaltenen Ostabschnitt der Dokumentationsstätte Regierungsbunker in Bad Neuenahr-Ahrweiler (Aufnahme 2008).
Holger Ellgaard / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 · CC-BY-SA-3.0

Geheime Anlagen · Ahrtal, 1960–1997

Regierungsbunker Ahrweiler: 17,3 Kilometer für den Tag X

Eingangsbauwerk (Museumseingang vor dem historischen Stollenzugang zu Bauteil I Ost) der Dokumentationsstätte Regierungsbunker am Silberberg in Bad Neuenahr-Ahrweiler unterhalb der Weinberge (Aufnahme 2008).
Basis waren Kuxberg- und Trotzenbergtunnel der unvollendeten Strategischen Bahn (1943/44 KZ-Außenlager „Rebstock“). Heute führt das Eingangsbauwerk in das Museum.Holger Ellgaard / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 · CC-BY-SA-3.0

17.500 Arbeiter und 60 Meter tief unter dem Tal

Von 1960 bis 1972 schufen 17.500 Arbeiter unter bis zu 112 m Schieferfels 17,336 km Stollen. Ein 60 m tiefer Verbindungsstollen unterquerte das Ahrtal bei Marienthal.

Schematische Infografik (nicht maßstabsgetreu) des Regierungsbunkers im Ahrtal mit dem dreigeschossigen Stollenausbau unter bis zu 110 Metern Schieferfels, dem Lageplan der fünf Bauteile Ost I/II und West III/IV/V sowie den Raum- und Funktionsdaten (4-, 6- oder 8-Bett-Kabinen).
Fünf autarke Bauteile (Ost I–II, West III–V) sollten 3.000 Personen 30 Tage lang versorgen – aufgeteilt in 897 Büros im Erdgeschoss und 936 Schlafräume im Obergeschoss.Eigenproduktion geheimprojekte.eu nach Daten von regbu.de [Q1], BBK 2/2022 [Q2], BArch [Q3], LVR KuLaDig [Q4], HJB Ahrweiler [Q5] und GDKE RLP [Q6, S. 28] · OWN
Technische Überwachungs- und Steuerzentrale im Regierungsbunker Ahrweiler mit historischen Schaltpulten, Leuchtschaltbildern der Stollenabschnitte und Kontrollinstrumenten.
Hinter 25-t-MAN-Drucktoren herrschte Kasernen-Alltag: 936 Schlafräume mit 4-, 6- oder 8-Bett-Kabinen à 15 m². Nur Bundespräsident und Kanzler hatten Einzelzimmer.Holger Ellgaard / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 · CC-BY-SA-3.0

Die zweckmäßige Einrichtung gleicht in ihrer Schlichtheit eher einer großen, unterirdischen Kaserne als einem komfortablen Tagungsort.

Oberfinanzdirektion Koblenz – Bundesvermögensabteilung, Amtliches Verkaufs-Exposé zum ehemaligen Ausweichsitz (Juni 1998, zit. n. Leonhard Janta) · 1998

FALLEX 66, Notparlament und der „Spiel-Kanzler“

Da über 500 Abgeordnete keinen Platz fanden, entstand 1968 der 48-köpfige Gemeinsame Ausschuss (Art. 53a GG). Von 1966 bis 1989 fanden zwölf NATO-Übungen statt.

Stasi-Spion Lorenz Betzing lieferte schon 1964–1969

Im Westen brach erst 1984 das Schweigen – doch Kältetechniker Lorenz Betzing hatte Pläne und Fotos längst an die HVA geliefert (GVS-Akte MfS HA XXII Nr. 5857 von 1967).

Blick in die nach dem Rückbau 2001–2006 vollständig entkernte, nackte Betonröhre des ehemaligen Eisenbahntunnels im Regierungsbunker Ahrweiler hinter dem Museumsabschnitt.
Nach dem Aufgabe-Beschluss 1997 wurden 2001–2006 genau 98,8 % der Stollen für 16,6 Mio. Euro entkernt. 203 Meter am Silberberg sind seit 2008 Museum und Kulturdenkmal.Holger Ellgaard / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 · CC-BY-SA-3.0

Zum vollständigen Deep Dive Weiterlesen: Deep Dive · projekt-riese · nutty-putty-cave-2009

Historisches Schwarzweißfoto: der teilweise entleerte Ballon Örnen liegt auf dem Packeis, links die umgekippte Gondel, daneben zwei kleine Personen
Foto: S. A. Andrée, 14.7.1897 (Film 1930 in Stockholm entwickelt) – gemeinfrei; Reproduktion aus „The Andrée Diaries“, London 1931, Tafel gegenüber S. 129, via Internet Archive · PD

Arktis · 1897

Andrée 1897: Mit dem Ballon zum Nordpol

Atelierporträt von vier Männern um einen Tisch mit Karte: Vilhelm Swedenborg, Nils Strindberg, Knut Frænkel und S. A. Andrée (sitzend)
Andrée, Strindberg und Frænkel wollen den Nordpol im Wasserstoffballon „Örnen“ überfliegen. 1896 scheitert der erste Versuch am Wind.Foto: Gösta Florman, 1896/1897 – gemeinfrei, via Wikimedia Commons · PD
Historischer Photochromdruck: eingerüstete Ballonhalle der Andrée-Station auf Danskøya vor Bergen
11. Juli 1897: Start von Danskøya. Gleich nach dem Start gehen Schleppleinen verloren – der Ballon ist kaum steuerbar.Photochrom, [1896 oder 1897]; Titel nach Detroit Publishing Co., Katalog 1905 – Library of Congress, No known restrictions on publication · PD

65 Stunden

Regen und Nebel lassen den Ballon vereisen. Nach etwa 65 Stunden in der Luft landen die drei am 14. Juli auf dem Packeis.

Historisches Schwarzweißfoto: zwei Männer im Schnee neben einem erlegten Eisbären, rechts zwei schräg im Schnee steckende Gewehre
Drei Monate, rund 400 km zu Fuß übers Eis. Anfang Oktober erreichen sie Kvitøya. Dort sterben alle drei kurz darauf.Foto: Nils Strindberg, 1897 (Film 1930 in Stockholm entwickelt) – gemeinfrei; Reproduktion aus „The Andrée Diaries“, London 1931, Tafel gegenüber S. 192, via Internet Archive · PD

Woran starben sie?

Trichinose durch Eisbärfleisch? Kohlenmonoxid? Ein Eisbärangriff? Die Museen nennen verschiedene Theorien – geklärt ist es nicht.

  1. Bratvaag-Expedition findet das Lager auf Kvitøya
  2. Nachricht erreicht Schweden
  3. Isbjørn-Expedition findet weitere Gegenstände
  4. Bestattung von der Storkyrkan, Stockholm
Gerahmtes Stück Stoff mit Aufschrift „Tyg till polarballongen S. A. Andrée 5.8.96“ und drei Spitzbergen-Briefmarken
33 Jahre unter Eis: Tagebücher, Ausrüstung, Filme. John Hertzberg entwickelte Aufnahmen. Die Sammlung ist in Gränna. (Bild: Stoff für den Polarballon, beschriftet 5.8.1896)Foto: R. Henrik Nilsson, Lizenz CC BY 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/), skaliert – Quelle: Wikimedia Commons (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fabric_from_the_Oernen_hydrogen_balloon_of_the_ill_fated_1897_Swedish_Andree_expedition_to_the_north_pole.jpg) · CC-BY-4.0
  1. The Andrée Expedition · Grenna Museum – Andréexpeditionen Polarcenter Quelle
  2. The Andrée Expedition · Svalbard Museum Quelle
  3. Fynden från Vitön (Ausstellung) · Moderna Museet, Stockholm Quelle
  4. Fynden på Vitön: En presshistoria · Litteraturbanken Quelle
  5. The Andrée Diaries – being the diaries and records of S. A. Andrée, Nils Strindberg and Knut Frænkel … discovered on White Island in 1930 · John Lane The Bodley Head, London (Digitalisat Internet Archive / Digital Library of India) Quelle

Die ganze Geschichte mit allen Quellen: zum Deep Dive Weiterlesen: Deep Dive · pluragrotta-2014

Rekonstruktion, keine Originalaufnahme: Schwarzweißbild eines Fördergerüsts und Maschinenhauses im Schneeregen, kleine anonyme Bergleute in der Ferne
Rekonstruktion, keine Originalaufnahme: geheimprojekte.eu (Grok Bot GenerateImage) – keine Originalaufnahme · OWN

Rekonstruktion, keine Originalaufnahme

Bergkamen · 20. Februar 1946

Grimberg 3/4: Das schwerste Grubenunglück Deutschlands

Bekannte Gefahr

Grubengas war auf Grimberg seit 1890 bekannt. 1944 fiel nach einem Bombenangriff die Bewetterung aus – 107 Zwangsarbeiter starben bei einer Explosion.

  1. 466 Männer fahren zur Frühschicht ein
  2. Wintergewitter über Weddinghofen
  3. Explosion, Stichflamme aus Schacht 3 (Zeitzeuge: „um 12 Uhr“)
  4. 18 Gerettete fahren über Grillo 3 aus
  5. Letzte Überlebende geborgen

Ich weiß noch, wie alle schrien – dann kann auch ich mich an nichts mehr erinnern. Unsere Rettung haben wir dem Elektriker Emil Gröne zu verdanken.

Wilhelm Schäfer, Bergmann, beim Unglück 19 Jahre alt

Wie viele Tote?

Museumstafel: 402 unter, 2 über Tage, 1 im Krankenhaus. dpa: 402 unter, 3 über Tage. Museum online: 405 unter Tage. Wikipedia: 405 + 3. Die Zahl ist nicht einheitlich.

Fördergerüst und Gebäude der Schachtanlage Grimberg 3/4 in Bergkamen, Aufnahme von 1984
Nach drei Tagen wurde die Suche abgebrochen, der Schacht verschlossen. 380 Bergleute blieben zunächst unter Tage. (Foto: Schacht 3/4, 1984)Foto: Stefan Scheer (Sarion), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons · CC-BY-SA-3.0

Was offen bleibt

Der Abschlussbericht 1950 fand keinen Schuldigen. Sabotage, Blitz oder vernachlässigte Sicherheit – keine These ist belegt.

Gedenkstätte für das Grubenunglück Grimberg 3/4 auf dem Waldfriedhof in Bergkamen-Weddinghofen
283 Witwen, 433 Kinder. Seit 1952 erinnert ein neun Meter hohes Denkmal in Weddinghofen an die Toten.Foto: MGHI, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons · CC-BY-SA-4.0
  1. Ausstellung „Grubenunglück Grimberg 3/4“ – Tafeln 2–9 (Entstehung der Zeche, Vorgeschichte/Ursache, Protokoll Teil 1–3, Bergungsarbeiten, Familien, Ehrendenkmal) · Stadtmuseum Bergkamen (über Stadt Bergkamen / verwaltungsportal.de) Quelle
  2. Schwerstes Grubenunglück: Tödlicher Kohlebergbau auf Grimberg – 405 Menschen sterben · Süddeutsche Zeitung / dpa Quelle
  3. 405 Todesopfer sind nicht vergessen · Westfälische Rundschau Quelle
  4. Denkmal erinnert an über 400 Tote · WAZ Quelle
  5. Stichtag – 20. Februar 1946: Grubenunglück im Schacht Grimberg in Bergkamen · WDR Quelle
  6. Zeche Monopol Schacht Grimberg 3/4 · Wikipedia (de) Quelle
  7. Online-Ausstellung „12:05 Uhr“ – Grubenunglück Grimberg 3/4 · Stadtmuseum Bergkamen Quelle

Die ganze Geschichte mit allen Quellen: zum Deep Dive Weiterlesen: Deep Dive · roemerlager-oberaden · pluragrotta-2014

Rekonstruktion, keine Originalaufnahme: anonymer Höhlentaucher von hinten mit Rebreather, Helmlampen und Unterwasser-Scooter in einem vollständig gefluteten, dunklen Felsgang, nur vom Lampenlicht erhellt, Führungsleine am Boden; oben eingeblendet das Label „Rekonstruktion, keine Originalaufnahme“
Rekonstruktion, keine Originalaufnahme: geheimprojekte.eu (Grok Bot GenerateImage) – keine Originalaufnahme · OWN

Rekonstruktion, keine Originalaufnahme

Nordnorwegen · Februar 2014

Pluragrotta: Die Bergung, die niemand machen durfte

Der Fluss Plura im Plurdalen in Nordland, Norwegen
Der Fluss Plura im Plurdalen bei Mo i Rana. Unter dem Tal liegt eines der längsten Höhlensysteme Nordeuropas.Foto: Sandivas, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons – verkleinert · CC-BY-SA-3.0

Fünf Taucher, zwei Tote

Am Abend des 6. Februar 2014 tauchen fünf Taucher in die Höhle. Zwei Finnen sterben in über 100 m Tiefe, wohl in der Nacht zum 7., drei kommen zurück.

Was die Überlebenden berichten

Ein Taucher bleibt bei 110 m in einer Engstelle stecken. Ein zweiter bekommt Probleme mit dem Rebreather und stirbt trotz Reservegas.

  1. Unglück, zwei Tote
  2. Behörden sagen Bergung ab: zu gefährlich; Verbot für die Höhle
  3. 17-köpfiges Team (9–10 Taucher) bringt die Toten in einen trockenen Abschnitt – 101 Stunden unter Wasser
  4. Polizei und Team bringen beide aus dem Berg
  5. Påtaleunnlatelse: strafbar, aber keine Strafe

Wir haben das für die Familien der Verstorbenen getan. Wir wollten, dass sie ihre Liebsten nach Hause bekommen.

Sami Pakkarinen, Mitglied des finnischen Bergungsteams, gegenüber NRK (übersetzt)

Nach der Aktion

Das Team filmte jeden Tauchgang und übergab alles der Polizei. Im August 2014: Påtaleunnlatelse – strafbar, aber ohne Strafe.

Was offen ist

Datum und Tiefe werden unterschiedlich angegeben. Den Hergang schildern die Überlebenden; eine amtliche Abschlussbewertung haben wir nicht gefunden.

  1. Raportti Norjan nosto-operaatiosta – Plura recovery operation report · Suomen Sukeltajaliitto ry (Finnish Divers' Federation), Veröffentlichung des Bergungsteams Quelle
  2. Divers describe recovery of bodies · Yle News Quelle
  3. Finnish diving team reclaims bodies of drowned divers – despite Norwegian ban · Yle News Quelle
  4. Slik hentet de opp sine døde venner fra dypet · NRK Nordland Quelle
  5. Den siste dykkeren er hentet opp fra Pluragrotta · Nationen / NTB Quelle
  6. Drowned cave divers were killed in two separate accidents · Yle News Quelle
  7. Dette gikk galt i Pluragrotta · NRK Nordland (NRK/NTB) Quelle
  8. De finske dykkerne slipper straff · NRK Nordland Quelle
  9. Politiet: – Håper å hente ut begge i dag · NRK Nordland (NRK/NTB) Quelle

Die ganze Geschichte mit allen Quellen: zum Deep Dive Weiterlesen: Deep Dive · andree-ballonexpedition-1897

Rekonstruierte römische Holz-Erde-Mauer mit Holzturm im Römerpark Bergkamen, davor der Graben
Foto: MGHI, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, skaliert · CC-BY-SA-4.0

Bergkamen · 11 v. Chr. · Foto: Nachbau 2012

Warum räumte Rom sein größtes Lager Westfalens nach drei, vier Jahren?

Größer als der Vatikan

Rund 840 × 680 m, etwa 56 Hektar, siebeneckig, 2,7 km Befestigung. Der LWL nennt es das größte und älteste Römerlager Westfalens.

Nachbau der Holz-Erde-Mauer mit Turm und Rampe, seitlich der grasbewachsene Graben
Nachbau: Graben, 3 m breite Holz-Erde-Mauer, Türme alle 25–30 m (LWL) bzw. ca. 23,5 m (Peterse). Rund 25.000 Eichen sollen gefällt worden sein.Foto: Creosoph, CC0, via Wikimedia Commons, skaliert · CC0

Spätsommer 11 v. Chr.

Die Jahrringe der Mauerpfosten zeigen: frisch geschlagene Eichen, gefällt im Spätsommer 11 v. Chr. Ziel des Lagers waren die Sugambrer.

Das Lager bei Cassius Dio?

Dio erwähnt für 11 v. Chr. ein Lager am Zusammenfluss von Lippe und „Elison“. Oberaden passt – bewiesen ist die Gleichsetzung nicht.

Pfeffer und verdorbene Brunnen

Um 8/7 v. Chr. räumten die Römer planmäßig und machten die Brunnen unbrauchbar. In den Latrinen: Feigen, Oliven, Mandeln, Pfeffer.

  1. Hülsenbeck vermutet ein Römerlager bei Oberaden
  2. Pfarrer Prein legt den ersten Grabungsschnitt an
  3. Grabungen unter Albert Baum u. a.
  4. Nachbau der Holz-Erde-Mauer fertig
Neuer Eingangsbau des Stadtmuseums Bergkamen mit dunkler Glasfront
Stadtmuseum Bergkamen (Aufnahme 2022, Bauphase), Start des Lehrpfads. Römerpark: Saison 2026 beendet, Zeiten 2027 vorab prüfen.Foto: Stadtmuseum Bergkamen, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, skaliert · CC-BY-SA-4.0
  1. Römerlager in Westfalen, Heft 3: Oberaden und Beckinghausen · Altertumskommission für Westfalen (LWL), Münster Quelle
  2. Bis zu den alten Römern … · Stadt Bergkamen Quelle
  3. Die Holz-Erde-Mauer des Lagers von Oberaden · Römische Rekonstruktionen (Pansa BV) Quelle
  4. Gelände Holz-Erde-Mauer / Anfahrt + Öffnungszeiten · Römerpark Bergkamen (Stadtmuseum Bergkamen) Quelle

Die ganze Geschichte mit Zeitleiste und allen Quellen: zum Deep Dive Weiterlesen: Deep Dive · roopkund-lake · grimberg-1946

Der kleine Roopkund-See zwischen Geröllhängen im Hochgebirge des Himalaya
Foto: Schwiki, CC BY-SA 4.0 (creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0), via Wikimedia Commons, bearbeitet (skaliert) · CC-BY-SA-4.0

Himalaya · 5.029 Meter

Roopkund: Der See der Skelette

Hochformat-Ausschnitt: zugefrorene Fläche des Roopkund-Sees vor verschneiten Felswänden
Der zugefrorene Roopkund in Uttarakhand. Am See liegen die Überreste mehrerer hundert Menschen – nie systematisch ausgegraben.Foto: Neha iitb, CC BY-SA 4.0 (creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0), via Wikimedia Commons, bearbeitet (Ausschnitt, skaliert); Bearbeitung ebenfalls unter CC BY-SA 4.0 · CC-BY-SA-4.0

38 Genome

2019 analysierten 28 Forschende das Erbgut von 38 Skeletten. Ergebnis: drei klar getrennte Gruppen.

  1. 23 Personen, südasiatische Abstammung
  2. 14 Personen, östlicher Mittelmeerraum (nahe Kreta/Griechenland)
  3. 1 Person, südostasiatische Abstammung
  1. Gruppe A stirbt – vermutlich in mehreren Ereignissen
  2. Gruppen B und C sterben am See

Alte Erklärungen

Göttinnenzorn, Armee im Sturm, Epidemie: Männer und Frauen sprechen gegen eine Armee. Spuren bakterieller Erreger fanden sich nicht – was eine Seuche nicht ausschließt.

Zugefrorener Roopkund-See unter steilen Felswänden, am Ufer eine kleine, nicht erkennbare Wandergruppe
Plausibel für einen Teil von Gruppe A: Tod während der Nanda-Devi-Pilgerfahrt. Für Gruppe B gibt es bislang keine Erklärung.Foto: Neha iitb, CC BY-SA 4.0 (creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0), via Wikimedia Commons, bearbeitet (skaliert) · CC-BY-SA-4.0

Was offen ist

Wie sie starben, ist ungeklärt. Hagel? Eine Hypothese, keine Erklärung für alle. Laut den Forschenden ist offen, was die Menschen hierher brachte.

  1. Ancient DNA from the skeletons of Roopkund Lake reveals Mediterranean migrants in India · Nature Communications 10, 3670 Quelle
  2. Ancient DNA from the skeletons of Roopkund Lake … (Volltext, PMC6702210, PMID 31431628) · PubMed Central / NIH Quelle
  3. Biomolecular Analyses of Roopkund Skeletons Show Mediterranean Migrants in Indian Himalayas · Max-Planck-Institut für Geoanthropologie (vormals Menschheitsgeschichte), Jena Quelle
  4. Ancient DNA reveals Mediterranean migrants in India (Department-News, Kurzmeldung) · Harvard University, Department of Organismic and Evolutionary Biology Quelle
  5. Skeletal remains at Roopkund lake have Mediterranean origins · The Hindu Quelle
  6. The unsolved mystery of Skeleton Lake · BBC Travel Quelle
  7. Team unravels bones' mysteries · The Times of India (Pune), Dhaval Kulkarni / TNN Quelle

Die ganze Geschichte mit allen Quellen: zum Deep Dive Weiterlesen: Deep Dive · andree-ballonexpedition-1897

Hintergrund

Langfassung

Hintergrund

Die Folien sind die Kurzform. Faktenkasten, Zeitlinie und Quellen stehen in der hellen Langfassung.

Vajont 1963: Als 270 Millionen m³ Fels den Stausee trafen

Zur hellen Langfassung

Schließen