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Lake Peigneur, 20. November 1980: Wie eine Erkundungsbohrung einen See in ein Salzbergwerk entleerte
Unter einem drei Meter flachen See in Louisiana lagen vier Abbausohlen der Jefferson Island Salt Mine – bis ein 14¾-Zoll-Bohrmeißel die Decke der 1.300-Fuß-Sohle durchstieß
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Lake Peigneur, 20. November 1980: Wie eine Erkundungsbohrung einen See in ein Salzbergwerk entleerte
Ein flacher See über einem unterirdischen Giganten
Unter dem kaum drei Meter tiefen Lake Peigneur im Süden Louisianas erstreckten sich im Herbst 1980 haushohe Salzkammern über vier Abbausohlen bis in 457 Meter Tiefe – während direkt darüber im See nach Erdöl gebohrt wurde.
Wer im November 1980 über das stille Süßwasser des Lake Peigneur blickte, sah eine subtropische Uferlandschaft im Süden des US-Bundesstaates Louisiana [C1]↓ [Q1]↓ [Q6]↓. Rund 14,5 Kilometer westlich von New Iberia, an der Grenze zwischen Iberia Parish und Vermilion Parish, lag ein flaches Gewässer von etwa 1.263 Acres (rund 5,1 km² laut MSHA; 1,76 Quadratmeilen bzw. 4,56 km² nach jüngeren hydrologischen Daten) [C1]↓ [Q1]↓ [Q4]↓. Selbst an seinen tiefsten Stellen maß der See lediglich 3 bis 10 Fuß, also etwa einen bis drei Meter [C1]↓ [Q1]↓ [Q6]↓. Am Südufer erhob sich die bewaldete Kuppe von Jefferson Island (historisch Orange Island), auf der die botanischen Gärten von Live Oak Gardens mit jahrhundertealten Eichen, Azaleen und Gewächshäusern lagen [C1]↓ [C17]↓ [Q1]↓ [Q6]↓.
Die sanfte Hügellandschaft am Ufer bildete jedoch nur die oberste Kappe des Jefferson-Island-Salzstocks, eines der fünf markanten Salzdiapire der Five Islands entlang der Golfküste Louisianas [C1]↓ [Q1]↓ [Q2]↓. Als der Schauspieler Joseph Jefferson im Dezember 1894 auf seinem Landsitz nach Trinkwasser bohren ließ, stieß der Bohrmeißel 1895 in 334 Fuß (102 Metern) Tiefe auf massives Steinsalz – eine Lagerstätte, die selbst bei 2.090 Fuß Erkundungstiefe noch im reinen Salz lag [C1]↓ [Q1]↓.
Ab 1919 teufte die Jefferson Island Salt Mining Company einen ersten Schacht ab; 1922 begann die Förderung, und 1957 übernahm die Diamond Crystal Salt Company das Bergwerk [C2]↓ [Q1]↓. Über sechs Jahrzehnte wuchs unter dem südöstlichen Teil des Sees und der Halbinsel ein weitverzweigtes Grubengebäude im Kammer-Pfeiler-Bau (Room-and-Pillar) heran [C2]↓ [Q1]↓. Die Bergleute sprengten bis zu 25 Meter breite und über 24 Meter hohe Kammern in das Steinsalz und ließen quadratische Salzpfeiler stehen, die das Deckgebirge und den See trugen [C2]↓ [Q1]↓.
Bis Herbst 1980 gliederte sich das Bergwerk in vier Hauptsohlen: die Ende der 1950er-Jahre aufgegebene 800-Fuß-Sohle (-739 Fuß unter dem Meeresspiegel / MSL), die 1.000-Fuß-Sohle (-922 Fuß MSL), die 1.300-Fuß-Sohle (-1.211 Fuß MSL) und die seit 1974 erschlossene 1.500-Fuß-Sohle (-1.425 Fuß MSL, rund 457 Meter unter Gelände) [C2]↓ [Q1]↓. Insgesamt umschloss das Grubengebäude ein Hohlraumvolumen von geschätzt 23 bis 28 Millionen Kubikmetern (800 Millionen bis 1 Milliarde Kubikfuß) [C3]↓ [C15]↓ [Q3]↓. Zugleich förderte Texaco Inc. im Staatskonzessionsgebiet State Lease No. 124 an der Flanke desselben Salzdiapirs seit Jahrzehnten Erdöl und Erdgas aus Sandstein-Fangstrukturen unter dem Lake Peigneur [C3]↓ [C5]↓ [Q1]↓ [Q6]↓.
Warnungen im Gestein und der Bohransatz P-20
Bereits 1971 und erneut im Januar 1980 warnten Geomechaniker vor einer gefährlichen Auflockerungszone auf der 1.300-Fuß-Sohle – wenige Monate später setzte Texaco genau über diesem Grubenfeld die Erkundungsbohrung P-20 an.
Während Steinsalz im trockenen Zustand hohe Gebirgsdrücke aufnimmt, löst ungesättigtes Süßwasser das Natriumchlorid sofort auf [C4]↓ [C10]↓ [Q1]↓. Bereits am 27. Dezember 1971 hatte das Ingenieurbüro Serata Geomechanics nach Spannungsmessungen für Diamond Crystal einen Warnbericht vorgelegt, nachdem sich an der Südseite der 1.300-Fuß-Sohle Gesteinsbewegungen und Tropfwasserstellen nahe der Außenwand des Salzstocks gezeigt hatten [C4]↓ [Q1]↓. Im Untersuchungsbericht der US-Bergbaubehörde Mine Safety and Health Administration (MSHA) vom August 1981 heißt es dazu:
„Serata wies darauf hin, dass ein fortgesetzter Abbau in diesem Bereich die Möglichkeit eines katastrophalen Wassereinbruchs mit sich bringe, und empfahl eine detaillierte Untersuchung zur Kartierung der nahegelegenen Grenze des Salzstocks.“
Am 10. Januar 1980 wiederholte Serata Geomechanics nach einer Ortsbegehung seine Warnung vor einer abnormalen Auflockerungszone über dem Südteil der 1.300-Fuß-Sohle [C4]↓ [Q1]↓. Dennoch blieben Salzabbau und Ölexploration organisatorisch getrennt [C4]↓ [C20]↓ [Q1]↓. Als Texaco im Herbst 1980 die Erkundungsbohrung State Lease No. 124 – Lake Peigneur Well No. 20 (kurz P-20) rund 2.150 Fuß (655 Meter) südwestlich des Hauptschachts plante, nutzten die Geologen eine ältere Salzstockkarte mit groben Höhenlinien im 1.000-Fuß-Abstand, auf der oberhalb von -1.000 Fuß keinerlei Konturen des Salzdiapirs verzeichnet waren [C5]↓ [C20]↓ [Q1]↓.
Anfang November 1980 wurden 166 Holzpfähle in den Seegrund gerammt, um die schwimmende Bohrplattform Rig No. 1 der Wilson Brothers Drilling Company abzustützen [C5]↓ [Q1]↓. Am 18. November 1980 um 18:00 Uhr begann das Abteufen (Spud-in) mit einem 14¾-Zoll-Rollenmeißel (37,5 Zentimeter Durchmesser) [C5]↓ [Q1]↓. Am frühen Morgen des 20. November 1980 erreichte der Meißel eine protokollierte Bohrlochtiefe, für die der amtliche MSHA-Bericht zwei leicht abweichende Spannen nennt: auf Seite 18 (ebenso 64 Parishes) 1.228 bis 1.248 Fuß (~374 bis 380 Meter; laut Tagesbohrbericht exakt 1.248 Fuß), auf Seite 43 hingegen 1.218 bis 1.248 Fuß (~371 bis 380 Meter, jeweils gemessen ab Bohrtisch 28 Fuß über MSL) – exakt im Firstbereich der 1.300-Fuß-Sohle (-1.211 Fuß MSL) [C2]↓ [C6]↓ [Q1]↓ [Q6]↓.
04:40 Uhr bis 09:00 Uhr: Vom Spülungsverlust zur Rettung in letzter Minute
Als auf Bohrinsel P-20 um 04:40 Uhr die Spülung abriss und die Plattform im See versank, begann 396 Meter tiefer ein Wettlauf gegen das einströmende Wasser – den alle 51 Eingefahrenen gewannen.
Gegen 04:40 Uhr am 20. November 1980 setzte auf der Bohranlage P-20 der Rücklauf der Bohrspülung abrupt aus (lost circulation), und Sekunden später saß der Bohrstrang in 1.218 bzw. 1.228 bis 1.248 Fuß Tiefe fest [C6]↓ [Q1]↓ [Q6]↓. Bei den Versuchen, das Gestänge freizuziehen, sprang die Hakenlast (hook load) von normalen 78.000 Pfund auf 200.000 bis 240.000 Pfund und kletterte kurz darauf auf über 400.000 Pfund (~181 Tonnen) [C7]↓ [Q1]↓.
Kurz nach 06:00 Uhr neigte sich die Plattform unter lauten Knallgeräuschen (popping sounds), als die 166 Holzpfähle im nachgebenden Untergrund brachen [C5]↓ [C7]↓ [Q1]↓. Die siebenköpfige Bohrmannschaft rettete sich auf den herbeigerufenen Schlepper Charlie, ehe die Bohranlage P-20 um 07:25 Uhr im 45-Grad-Winkel zur Seite kippte und im See versank [C7]↓ [Q1]↓ [Q6]↓.
Unter Tage war kurz vor 07:00 Uhr die Frühschicht eingefahren: Laut MSHA-Bericht befanden sich exakt 51 Personen im Bergwerk – 48 Bergleute von Diamond Crystal sowie drei Gastwissenschaftler der Louisiana State University (LSU), darunter die Autoren Robert L. Thoms und Roberto M. Gehle, die Messungen für die geplante US-Erdölreserve durchführten (Sekundärquellen wie 64 Parishes nennen abweichend bis zu 55 Personen) [C8]↓ [Q1]↓ [Q3]↓ [Q6]↓.
Gegen 08:10 Uhr hörte der Gruben-Elektriker Junius Gaddison auf der 1.300-Fuß-Sohle aus Richtung alter Abbaue (Section 7 West / Entry E4) das Poltern aufschwimmender Dieselfässer und sah einen über zwei Fuß (~60 cm) tiefen Strom aus dunklem Schlammwasser auf sich zuschießen [C9]↓ [Q1]↓. Er alarmierte Vorarbeiter Earl Dundas und betätigte am Hauptschacht den Notschalter für den Grubenalarm – dreimaliges Blinken der gesamten Grubenbeleuchtung [C9]↓ [Q1]↓.
„Das Verhalten der Bergleute von Diamond Crystal am Morgen des 20. November spricht sowohl für die Qualität ihres Evakuierungsplans als auch für die Ausbildung der Bergleute, die ihn befolgten.“
Da der Füllort der 1.300-Fuß-Sohle am Hauptschacht bereits überflutet war, fuhren die Bergleute mit Dieselfahrzeugen über interne Verbindungsrampen (Declines) auf die noch trockene 1.000-Fuß-Sohle [C11]↓ [Q1]↓. Wilfred Johnson koordinierte vom Nottelefon an der Rettungskammer die Korbfahrten, Vorarbeiter Randy La Salle holte per Pickup-Truck die letzten vier Arbeiter von der 1.500-Fuß-Sohle, und Betriebsleiter John Vice sowie Produktionsleiter Louis Babin fuhren zweimal über den Wetterschacht zur Kontrolle auf 1.300 Fuß ein [C11]↓ [Q1]↓. Zwischen 08:40 Uhr und kurz vor 09:00 Uhr brachten der achtplätzige Service-Förderkorb und der Erz-Skip alle 51 Personen in vier Fahrten unverletzt nach über Tage [C12]↓ [Q1]↓ [Q3]↓.
Strudel, Geysire und ein Kanal, der rückwärts zum Golf floss
Während unter Tage die Salzsäulen wegschmolzen, fraß ein 400 Meter breiter Strudel an der Oberfläche elf Lastschuten, zwei Bohranlagen und 27 Hektar Land – bis der Delcambre-Kanal zwei Tage lang rückwärts in den Krater stürzte.
Unter dem See löste das einströmende Süßwasser die tragenden Salzpfeiler der 1.300-, 1.000- und 800-Fuß-Sohle rasant auf [C10]↓ [Q1]↓. Als das Deckgebirge nachbrach, bildete sich auf dem Lake Peigneur ein rotierender Strudel von rund einer Viertelmeile (~400 Metern) Durchmesser über einem etwa 1.500 Fuß breiten Einsturzkrater [C13]↓ [Q1]↓.
Nach der versunkenen Plattform P-20 glitt auch die am Ufer aufgebaute Land-Bohranlage Texaco Well No. 35 (Grafton Drilling) in den Krater [C13]↓ [Q1]↓. Ein Schlepper sowie elf mit Bohrgerät beladene Lastschuten (11 barges laut 64 Parishes; im MSHA-Bericht als „a string of barges“ von 120 bis 200 Fuß Länge dokumentiert) wurden in das Zentrum des Wirbels gezogen und verschluckt [C13]↓ [Q1]↓ [Q6]↓. Am Südufer brachen laut MSHA rund 65 Acres (~26,3 Hektar) bzw. laut der geologischen Kartierung von Whitney J. Autin (1984) exakt 68,2 Acres (~27,6 Hektar) Land von Jefferson Island ab – samt Gewächshäusern der Live Oak Gardens und dem im Bau befindlichen Wohnhaus von Jack Bayless, das rund 20 Fuß tief absackte [C17]↓ [Q1]↓ [Q2]↓ [Q6]↓.
Ab 13:00 Uhr drückten die Wassermassen die eingeschlossene Grubenluft zusammen, sodass aus den Schächten Geysire aus Luft, Salzlauge, Schlamm und Gestein bis zu 400 Fuß (~122 Meter) hoch ausschossen; zugleich brannte aus der abgescherten Fördersonde Texaco Well No. 8 austretendes Erdgas auf dem Wasser [C14]↓ [Q1]↓ [Q6]↓.
Als das Süßwasserbecken leerlief, kehrte der 19 Kilometer lange Delcambre-Kanal, der den See normalerweise nach Süden in die Vermilion Bay und den Golf von Mexiko entwässerte, seine Fließrichtung um [C15]↓ [Q1]↓ [Q6]↓. Rund 30 Garnelenkutter liefen im Kanalschlick auf Grund, während Salzwasser vom Golf rückwärts in den Einsturzkrater stürzte [C15]↓ [Q1]↓ [Q6]↓. Populäre Berichte und 64 Parishes beziffern die Höhe dieses temporären Wasserfalls auf 150 bis 164 Fuß (46 bis 50 Meter), während das MSHA-Untersuchungsteam beim Hubschrauberüberflug am 21. November 1980 um 10:00 Uhr eine Wasserspiegeldifferenz im Einsturzkrater von 40 bis 50 Fuß (12 bis 15 Metern) unter dem normalen Seeniveau maß [C16]↓ [Q1]↓ [Q6]↓. Laut dem SMRI-Abstract von Thoms und Gehle (1994, S. 2) strömten in unter zwölf Stunden 800 Millionen bis 1 Milliarde Kubikfuß (23 bis 28 Millionen Kubikmeter) Wasser und Boden in das Bergwerk [C3]↓ [C15]↓ [Q3]↓. Nach rund zwei Tagen war die Grube am Morgen des 22. November 1980 gefüllt, und neun der elf verschluckten Lastschuten tauchten wieder auf [C13]↓ [C15]↓ [Q1]↓ [Q6]↓.
Aus dem flachen Süßwassersee wurde dauerhaft ein Brack- und Salzwassersee mit einer maximalen Tiefe von rund 60 Metern (200 Fuß) [C18]↓ [Q6]↓. In der geowissenschaftlichen Risikoforschung zu den 153 Salzdiapiren Louisianas (Mostafiz et al. 2021) wird Lake Peigneur (1980) neben Bayou Corne (2012) als eines der beiden großen anthropogenen Salzstock-Sinkholes des Bundesstaates geführt [C18]↓ [Q4]↓.
Koordinatenfehler oder Kriechbruch? Was der MSHA-Bericht offenlassen musste
Auf dem Grubenriss lag der Bohrpunkt P-20 mitten in einer abgebauten Kammer der 1.300-Fuß-Sohle – doch weil der zerstörte Salzstock nie wieder betreten werden konnte, legte sich die Untersuchungskommission bei der letzten Ursache nicht fest.
Als die MSHA-Ermittler nach dem Unglück die Vermessungsdaten der Bohransatzstelle P-20 als Punkt „X“ auf die Grubenrisse von Diamond Crystal übertrugen (Anhang T des MSHA-Berichts), lag der Punkt auf der 1.000-Fuß-Sohle noch knapp außerhalb des Abbaugebiets, fiel auf der weiter nach außen ragenden 1.300-Fuß-Sohle jedoch direkt in den Randbereich einer abgebauten Salzkammer [C20]↓ [Q1]↓.
In späteren ingenieurwissenschaftlichen Fallstudien (und allgemein in 64 Parishes als „misread the coordinates“ erwähnt) wurde dafür eine Verwechslung von Transverse-Mercator- und UTM-Koordinaten verantwortlich gemacht [C20]↓ [Q6]↓. Weder der 139-seitige MSHA-Bericht (Q1) noch das zweiseitige SMRI-Abstract von Thoms und Gehle (Q3) erwähnen jedoch den Begriff UTM [C20]↓ [Q1]↓ [Q3]↓. Die MSHA dokumentierte vielmehr, dass Texaco mit einer groben 1.000-Fuß-Höhenlinienkarte ohne Konturen oberhalb von -1.000 Fuß geplant hatte und kein Abgleich der Bohrkoordinaten mit den aktuellen Grubenrissen von Diamond Crystal erfolgt war [C20]↓ [Q1]↓. Da das geflutete Bergwerk unzugänglich blieb, hielt die MSHA in ihren Schlussfolgerungen (Conclusions, S. 41–44) fest [C20]↓ [Q1]↓:
„Ob diese Instabilität allein den Wassereinbruch verursachte, ob die Bohraktivitäten an der Bohrung P-20 allein den Einbruch verursachten oder ob das Unglück aus der gemeinsamen Wirkung von Bohrarbeiten und instabilem Gebirge resultierte, konnte nicht festgestellt werden.“
Nach wechselseitigen Schadenersatzklagen über fast 500 Millionen US-Dollar einigten sich die Parteien am 6./7. Juli 1983 außergerichtlich ohne Schuldeingeständnis auf Zahlungen von insgesamt 44,8 Millionen US-Dollar: 32 Millionen US-Dollar an Diamond Crystal Salt Company (93,75 % Texaco, 6,25 % Wilson Brothers) sowie 12,8 Millionen US-Dollar an Live Oak Gardens und Richard Bayless (70 % Texaco, 25 % Diamond Crystal, 5 % Wilson Brothers) [C19]↓ [Q1]↓ [Q5]↓ [Q6]↓.
Quellen & Faktencheck
U.S. Department of Labor, Mine Safety and Health Administration, Arlington, Virginia, Mine Safety and Health Administration (MSHA), U.S. Department of Labor (Hrsg. Don E.iece / Investigation Team) · 1981-08-13
Q2academicGeologic significance of land subsidence at Jefferson Island, Louisiana
Gulf Coast Association of Geological Societies (GCAGS) Transactions, Vol. 34, S. 293–309 / AAPG Datapages, Whitney J. Autin (Louisiana Geological Survey) · 1984-10-01
Q3academicThe Jefferson Island Salt Dome Sinkhole (SMRI Spring Meeting 1994, Abstract)
Solution Mining Research Institute (SMRI), Spring Meeting 1994, Houston, Texas, Robert L. Thoms, Roberto M. Gehle · 1994-04-25
Q4academicProperty Risk Assessment for Sinkhole Hazard in Louisiana, U.S.A.
Frontiers in Environmental Science, Vol. 9, Article 780870 (DOI: 10.3389/fenvs.2021.780870), Rubayet Bin Mostafiz, Carol J. Friedland, Robert V. Rohli, Nazla Bushra (Louisiana State University) · 2021-11-04
UPI Archives, New Iberia, Louisiana, United Press International (UPI) · 1983-07-07
Q6webLake Peigneur Drilling Accident
64 Parishes / Louisiana Endowment for the Humanities, Jacob Gautreaux · 2023-07-28
Alle 20 geprüften Aussagen & Einzelbelege (C1–C20) im Detail anzeigen
C1gesichert
Vor dem 20. November 1980 war der Lake Peigneur im Iberia und Vermilion Parish (rund 14,5 km westlich von New Iberia, Louisiana) ein flacher Süßwassersee von rund 1.263 Acres (~5,1 km² laut MSHA; 1,76 mi² nach FTN Associates 2002) mit einer durchschnittlichen Tiefe von 3 bis 10 Fuß (~1 bis 3 m) über dem Jefferson-Island-Salzstock, in dem 1894/95 bei einer Wasserbohrung für Schauspieler Joseph Jefferson in 334 Fuß Tiefe Steinsalz entdeckt worden war.
Fundstelle: MSHA 1981, S. 5–7; Autin 1984, S. 293 (Abstract); Mostafiz et al. 2021, Section 1 (1,76 mi² nach FTN Associates 2002); 64 Parishes, Abs. 1–2
C2gesichert
Der untertägige Salzabbau auf der Jefferson Island Salt Mine begann 1919/1922 unter der Jefferson Island Salt Mining Company, wurde 1957 von der Diamond Crystal Salt Company übernommen und im Kammer-Pfeiler-Verfahren (Room-and-Pillar) auf vier Hauptsohlen betrieben: 800-Fuß-Sohle (-739 ft MSL), 1.000-Fuß-Sohle (-922 ft MSL), 1.300-Fuß-Sohle (-1.211 ft MSL) und 1.500-Fuß-Sohle (-1.425 ft MSL).
Fundstelle: MSHA 1981, S. 5–7 (Tabelle S. 7) & Appendix C/D/E/F
C3gesichert
Bis November 1980 hatte das Grubengebäude eine geschätzte Hohlraumkapazität von über 20 bis 28 Millionen Kubikmetern (rund 800 Mio. bis 1 Mrd. Kubikfuß); an der Flanke des Salzdiapirs förderte Texaco Inc. zugleich seit Jahrzehnten Erdöl und Erdgas aus Sandstein-Fangstrukturen.
Fundstelle: MSHA 1981, S. 5, 12 & S. 21; Thoms & Gehle 1994, S. 2 (2-seitiges SMRI-Abstract); 64 Parishes, Abs. 1 & 4
C4gesichert
Die Beratungsfirma Serata Geomechanics warnte Diamond Crystal bereits am 27. Dezember 1971 und erneut am 10. Januar 1980 vor abnormaler Gesteinsauflockerung an der Südseite der 1.300-Fuß-Sohle, der Gefahr eines katastrophalen Wassereinbruchs (‚catastrophic water inflow') und empfahl eine detaillierte Kartierung der Salzstockgrenze.
Fundstelle: MSHA 1981, S. 7–8, 40 & S. 43
C5gesichert
Für die Erkundungsbohrung State Lease No. 124 – Lake Peigneur Well No. 20 (P-20), rund 2.150 Fuß südwestlich des Hauptschachts, ließ Texaco 166 Holzpfähle in den Seegrund rammen; Wilson Brothers Drilling Co. begann am 18. November 1980 um 18:00 Uhr von der schwimmenden Plattform Rig No. 1 mit einem 14¾-Zoll-Bohrmeißel (37,5 cm) zu bohren.
Fundstelle: MSHA 1981, S. 11–16; 64 Parishes, Abs. 2
C6widersprüchlich
Am 20. November 1980 gegen 04:40 Uhr ging auf der Bohranlage P-20 die Bohrspülung verloren und das Bohrgestänge saß fest. Der amtliche MSHA-Bericht nennt für die Bohrlochtiefe zwei leicht abweichende Spannen: auf S. 18 (ebenso 64 Parishes) 1.228 bis 1.248 Fuß (~374 bis 380 m; Tagesbohrbericht: 1.248 Fuß), auf S. 43 hingegen 1.218 bis 1.248 Fuß (~371 bis 380 m, gemessen ab Bohrtisch 28 ft über MSL im Bereich der 1.300-Fuß-Sohle).
Fundstelle: MSHA 1981, S. 18 (1.228–1.248 ft; Tagesbohrbericht 1.248 ft) & S. 43 (1.218–1.248 ft); 64 Parishes, Abs. 2 (1.228 ft)
C7gesichert
Beim Versuch, das festsitzende Bohrgestänge freizuziehen, sprang die Hakenlast von normal 78.000 Pfund auf 200.000–240.000 Pfund und schließlich über 400.000 Pfund (~181 Tonnen); ab etwa 06:00 Uhr neigte sich die Plattform unter Knallgeräuschen brechender Holzpfähle, wurde vom Schlepper ‚Charlie' evakuiert und kippte um 07:25 Uhr im 45-Grad-Winkel ins Wasser.
Fundstelle: MSHA 1981, S. 18 (78.000 lb auf >400.000 lb, Schlepper Charlie, Kippen um 07:25 Uhr); 64 Parishes, Abs. 2
C8widersprüchlich
Kurz vor 07:00 Uhr fuhren laut MSHA-Bericht 48 Bergleute von Diamond Crystal und 3 Wissenschaftler der Louisiana State University (insgesamt 51 Personen, darunter die Autoren Robert L. Thoms und Roberto M. Gehle) in die Grube ein; Sekundärquellen wie 64 Parishes nennen abweichend bis zu 55 Bergleute.
Fundstelle: MSHA 1981, S. 8 & S. 19 (48 miners + 3 LSU visitors = 51 Personen); Thoms & Gehle 1994, S. 2 (2-seitiges SMRI-Abstract: beide Autoren als LSU-Forscher unter Tage); 64 Parishes, Abs. 3 (55 miners)
C9gesichert
Gegen 08:10 Uhr hörte der Gruben-Elektriker Junius Gaddison auf der 1.300-Fuß-Sohle lautes Poltern aufschwimmender Dieselfässer, entdeckte einen über zwei Fuß tiefen Strom aus dunklem Schlammwasser aus Richtung alter Abbaue (Section 7 West / Entry E4), alarmierte Vorarbeiter Earl Dundas und löste das Gruben-Evakuierungssignal (dreimaliges Blinken der Grubenbeleuchtung) aus.
Fundstelle: MSHA 1981, S. 19
C10gesichert
Das durch das Bohrloch einströmende Süßwasser löste die Steinsalzwände und tragenden Pfeiler im Bereich der 1.300-Fuß-Sohle rasant auf, sodass sich die kleine Durchstichstelle binnen kurzer Zeit zu einem massiven Einbruchschlot erweiterte.
Fundstelle: MSHA 1981, S. 19
C11gesichert
Da die 1.300-Fuß-Sohle am Hauptschacht bereits überflutet war, fuhren die Bergleute mit Dieselfahrzeugen über interne Verbindungsrampen (Declines) auf die trockenere 1.000-Fuß-Sohle; Wilfred Johnson hielt von dort Kontakt nach über Tage, Vorarbeiter Randy La Salle holte die letzten vier Arbeiter von der 1.500-Fuß-Sohle, und Betriebsleiter John Vice sowie Produktionsleiter Louis Babin fuhren zweimal über den Wetterschacht zur Kontrolle auf 1.300 Fuß ein.
Fundstelle: MSHA 1981, S. 19–20
C12gesichert
Von der 1.000-Fuß-Sohle wurden sämtliche 51 unter Tage befindlichen Personen in vier Förderkorbfahrten (Service Cage für 8 Personen plus großer Skipschacht) zwischen 08:40 Uhr und kurz vor 09:00 Uhr unverletzt nach über Tage gebracht; bei der gesamten Katastrophe starb kein einziger Mensch.
Fundstelle: MSHA 1981, S. 10, 20 & S. 23; Thoms & Gehle 1994, S. 2 (2-seitiges SMRI-Abstract)
C13gesichert
Über der Einbruchstelle bildete sich ein rotierender Strudel von rund einer Viertelmeile (~400 m) Durchmesser (Einsturzkrater ca. 1.500 Fuß), der die Plattform P-20, die zweite Ufer-Bohranlage Texaco Well No. 35 (Grafton Drilling), ein Schleppboot sowie laut 64 Parishes 11 Lastschuten (im MSHA-Bericht als ‚a string of barges' von 120–200 ft Länge bezeichnet) in die Tiefe riss; 9 Schuten tauchten nach Verfüllung der Grube wieder auf.
Fundstelle: MSHA 1981, S. 11, 17–18, 21, 24, 29–30 & Appendix EE S. 108/118 (‚string of barges' & ‚resurfaced barges'); 64 Parishes, Abs. 2 & 5 (11 barges, 9 resurfaced)
C14gesichert
Als das einströmende Wasser die Grubenluft komprimierte, schossen ab etwa 13:00 Uhr aus den Schächten Luft-, Schlamm- und Salzwasserfontänen bis zu 400 Fuß (~122 m) hoch auf; zudem entzündete sich aus der abgescherten Fördersonde Texaco Well No. 8 austretendes Erdgas auf der Wasseroberfläche.
Fundstelle: MSHA 1981, S. 21–22, 24–25 & S. 32; 64 Parishes, Abs. 4 (400-foot geysers)
C15gesichert
Nachdem der See leerlief, kehrte der rund 19 km lange Delcambre-Kanal für rund zwei Tage (bis zum Morgen des 22. November 1980) seine Fließrichtung um, zog Salzwasser aus der Vermilion Bay und dem Golf von Mexiko in den Krater und ließ rund 30 Garnelenkutter auf Grund laufen; insgesamt strömten in unter 12 Stunden 800 Mio. bis 1 Mrd. Kubikfuß (23 bis 28 Mio. m³) Wasser und Boden in das Bergwerk.
Fundstelle: MSHA 1981, S. 21, 25–26; Thoms & Gehle 1994, S. 2 (2-seitiges SMRI-Abstract: 800 Mio.–1 Mrd. ft³ / 23–28 Mio. m³ in <12 h); 64 Parishes, Abs. 4
C16widersprüchlich
Populäre Berichte (u. a. 64 Parishes) beziffern die Höhe des rückwärts in den Krater stürzenden Wasserfalls am Delcambre-Kanal auf 150 bis 164 Fuß (46–50 m), während die MSHA-Luftbildauswertung vom 21. November 1980 (10:00 Uhr) den Wasserspiegel im Einsturzkrater auf 40 bis 50 Fuß (12–15 m) unter dem normalen Seeniveau beziffert.
Fundstelle: MSHA 1981, S. 25 (40–50 ft unter Normalpegel); 64 Parishes, Abs. 4 (150-foot waterfall)
C17widersprüchlich
Durch Uferrutschungen und Bodensenkungen brachen laut MSHA rund 65 Acres (~26,3 ha) bzw. laut der geologischen Auswertung von Whitney Autin (1984) 68,2 Acres (~27,6 ha) Land von Jefferson Island ab, darunter Gewächshäuser der Live Oak Gardens und das im Bau befindliche Wohnhaus von Jack Bayless, das rund 20 Fuß tief absackte.
Fundstelle: MSHA 1981, S. 22, 24 & S. 25–27 (~65 acres); Autin 1984, S. 293 (Abstract: 68,2 acres); 64 Parishes, Abs. 3–4 (65 acres, Bayless house)
C18gesichert
Der ehemals 1 bis 3 Meter flache Süßwassersee verwandelte sich dauerhaft in einen tiefen Brack- und Salzwassersee mit verändertem Ökosystem und einer heutigen maximalen Tiefe von rund 60 Metern (200 Fuß); in der geowissenschaftlichen Risikoforschung wird Lake Peigneur (1980) neben Bayou Corne (2012) als eines der beiden großen anthropogenen Salzstock-Sinkholes unter den 153 Salzdiapiren Louisianas geführt.
Fundstelle: Mostafiz et al. 2021, Section 1 & 2 (Jefferson Island salt dome sinkhole 1980 & Bayou Corne 2012); 64 Parishes, Abs. 5–6 (200 ft / 60 m Tiefe)
C19gesichert
Nach wechselseitigen Schadenersatzklagen in Höhe von fast 500 Millionen US-Dollar einigten sich die Parteien im Juli 1983 außergerichtlich auf Zahlungen von insgesamt 44,8 Millionen US-Dollar: 32 Mio. USD von Texaco (93,75 %) und Wilson Brothers (6,25 %) an Diamond Crystal sowie 12,8 Mio. USD (70 % Texaco, 25 % Diamond Crystal, 5 % Wilson Brothers) an Live Oak Gardens / Richard Bayless.
Fundstelle: MSHA 1981, S. 23; UPI Archives 07.07.1983, Abs. 1–6; 64 Parishes, Abs. 5
C20widersprüchlich
Bei der Auswertung nach dem Unglück fiel die Bohransatzstelle P-20 (‚X') auf dem Grubenriss direkt in eine abgebaute Kammer der 1.300-Fuß-Sohle, während Texaco mit einer groben 1.000-Fuß-Höhenlinienkarte ohne Konturen oberhalb -1.000 ft gearbeitet hatte. MSHA ließ mangels Zugänglichkeit offen, ob Kriechinstabilität, das Anbohren durch P-20 oder beides zusammen den Einbruch auslöste; die spezifische Erklärung einer Projektionsverwechslung (Transverse Mercator vs. UTM) entstammt späteren ingenieurwissenschaftlichen Fallstudien (64 Parishes nennt allgemein ‚misread the coordinates').
Fundstelle: MSHA 1981, S. 12–14, 20 & S. 41–44 (Conclusion & Appendix T; kein UTM-Hinweis im MSHA-Bericht); Autin 1984, S. 293; 64 Parishes, Abs. 3 (‚misread the coordinates')