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Lake Peigneur, 20. November 1980: Wie eine Erkundungsbohrung einen See in ein Salzbergwerk entleerte

Unter einem drei Meter flachen See in Louisiana lagen vier Abbausohlen der Jefferson Island Salt Mine – bis ein 14¾-Zoll-Bohrmeißel die Decke der 1.300-Fuß-Sohle durchstieß

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Quellen & Faktencheck

Faktencheck bestanden

20 geprüfte Aussagen (15 gesichert · 5 widersprüchlich), 6 verifizierte Quellen – alle Archivlinks gesichert

Prüfer: geheimprojekte Faktencheck · Freigabe: 2026-10-27 · Protokoll: faktencheck.md

  1. Q1primaryMine Inundation Report – Jefferson Island Mine (ID No. 16-00575), Diamond Crystal Salt Company, New Iberia, Iberia Parish, Louisiana, November 20, 1980

    U.S. Department of Labor, Mine Safety and Health Administration, Arlington, Virginia, Mine Safety and Health Administration (MSHA), U.S. Department of Labor (Hrsg. Don E.iece / Investigation Team) · 1981-08-13

  2. Q2academicGeologic significance of land subsidence at Jefferson Island, Louisiana

    Gulf Coast Association of Geological Societies (GCAGS) Transactions, Vol. 34, S. 293–309 / AAPG Datapages, Whitney J. Autin (Louisiana Geological Survey) · 1984-10-01

  3. Q3academicThe Jefferson Island Salt Dome Sinkhole (SMRI Spring Meeting 1994, Abstract)

    Solution Mining Research Institute (SMRI), Spring Meeting 1994, Houston, Texas, Robert L. Thoms, Roberto M. Gehle · 1994-04-25

  4. Q4academicProperty Risk Assessment for Sinkhole Hazard in Louisiana, U.S.A.

    Frontiers in Environmental Science, Vol. 9, Article 780870 (DOI: 10.3389/fenvs.2021.780870), Rubayet Bin Mostafiz, Carol J. Friedland, Robert V. Rohli, Nazla Bushra (Louisiana State University) · 2021-11-04

  5. Q5pressTexaco, Inc. and Wilson Brothers Corp. have agreed to pay $44.8 million in out-of-court settlements of lawsuits stemming from the 1980 Lake Peigneur disaster

    UPI Archives, New Iberia, Louisiana, United Press International (UPI) · 1983-07-07

  6. Q6webLake Peigneur Drilling Accident

    64 Parishes / Louisiana Endowment for the Humanities, Jacob Gautreaux · 2023-07-28

Alle 20 geprüften Aussagen & Einzelbelege (C1–C20) im Detail anzeigen
  1. C1gesichert

    Vor dem 20. November 1980 war der Lake Peigneur im Iberia und Vermilion Parish (rund 14,5 km westlich von New Iberia, Louisiana) ein flacher Süßwassersee von rund 1.263 Acres (~5,1 km² laut MSHA; 1,76 mi² nach FTN Associates 2002) mit einer durchschnittlichen Tiefe von 3 bis 10 Fuß (~1 bis 3 m) über dem Jefferson-Island-Salzstock, in dem 1894/95 bei einer Wasserbohrung für Schauspieler Joseph Jefferson in 334 Fuß Tiefe Steinsalz entdeckt worden war.

    Fundstelle: MSHA 1981, S. 5–7; Autin 1984, S. 293 (Abstract); Mostafiz et al. 2021, Section 1 (1,76 mi² nach FTN Associates 2002); 64 Parishes, Abs. 1–2

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  2. C2gesichert

    Der untertägige Salzabbau auf der Jefferson Island Salt Mine begann 1919/1922 unter der Jefferson Island Salt Mining Company, wurde 1957 von der Diamond Crystal Salt Company übernommen und im Kammer-Pfeiler-Verfahren (Room-and-Pillar) auf vier Hauptsohlen betrieben: 800-Fuß-Sohle (-739 ft MSL), 1.000-Fuß-Sohle (-922 ft MSL), 1.300-Fuß-Sohle (-1.211 ft MSL) und 1.500-Fuß-Sohle (-1.425 ft MSL).

    Fundstelle: MSHA 1981, S. 5–7 (Tabelle S. 7) & Appendix C/D/E/F

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  3. C3gesichert

    Bis November 1980 hatte das Grubengebäude eine geschätzte Hohlraumkapazität von über 20 bis 28 Millionen Kubikmetern (rund 800 Mio. bis 1 Mrd. Kubikfuß); an der Flanke des Salzdiapirs förderte Texaco Inc. zugleich seit Jahrzehnten Erdöl und Erdgas aus Sandstein-Fangstrukturen.

    Fundstelle: MSHA 1981, S. 5, 12 & S. 21; Thoms & Gehle 1994, S. 2 (2-seitiges SMRI-Abstract); 64 Parishes, Abs. 1 & 4

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  4. C4gesichert

    Die Beratungsfirma Serata Geomechanics warnte Diamond Crystal bereits am 27. Dezember 1971 und erneut am 10. Januar 1980 vor abnormaler Gesteinsauflockerung an der Südseite der 1.300-Fuß-Sohle, der Gefahr eines katastrophalen Wassereinbruchs (‚catastrophic water inflow') und empfahl eine detaillierte Kartierung der Salzstockgrenze.

    Fundstelle: MSHA 1981, S. 7–8, 40 & S. 43

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  5. C5gesichert

    Für die Erkundungsbohrung State Lease No. 124 – Lake Peigneur Well No. 20 (P-20), rund 2.150 Fuß südwestlich des Hauptschachts, ließ Texaco 166 Holzpfähle in den Seegrund rammen; Wilson Brothers Drilling Co. begann am 18. November 1980 um 18:00 Uhr von der schwimmenden Plattform Rig No. 1 mit einem 14¾-Zoll-Bohrmeißel (37,5 cm) zu bohren.

    Fundstelle: MSHA 1981, S. 11–16; 64 Parishes, Abs. 2

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  6. C6widersprüchlich

    Am 20. November 1980 gegen 04:40 Uhr ging auf der Bohranlage P-20 die Bohrspülung verloren und das Bohrgestänge saß fest. Der amtliche MSHA-Bericht nennt für die Bohrlochtiefe zwei leicht abweichende Spannen: auf S. 18 (ebenso 64 Parishes) 1.228 bis 1.248 Fuß (~374 bis 380 m; Tagesbohrbericht: 1.248 Fuß), auf S. 43 hingegen 1.218 bis 1.248 Fuß (~371 bis 380 m, gemessen ab Bohrtisch 28 ft über MSL im Bereich der 1.300-Fuß-Sohle).

    Fundstelle: MSHA 1981, S. 18 (1.228–1.248 ft; Tagesbohrbericht 1.248 ft) & S. 43 (1.218–1.248 ft); 64 Parishes, Abs. 2 (1.228 ft)

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  7. C7gesichert

    Beim Versuch, das festsitzende Bohrgestänge freizuziehen, sprang die Hakenlast von normal 78.000 Pfund auf 200.000–240.000 Pfund und schließlich über 400.000 Pfund (~181 Tonnen); ab etwa 06:00 Uhr neigte sich die Plattform unter Knallgeräuschen brechender Holzpfähle, wurde vom Schlepper ‚Charlie' evakuiert und kippte um 07:25 Uhr im 45-Grad-Winkel ins Wasser.

    Fundstelle: MSHA 1981, S. 18 (78.000 lb auf >400.000 lb, Schlepper Charlie, Kippen um 07:25 Uhr); 64 Parishes, Abs. 2

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  8. C8widersprüchlich

    Kurz vor 07:00 Uhr fuhren laut MSHA-Bericht 48 Bergleute von Diamond Crystal und 3 Wissenschaftler der Louisiana State University (insgesamt 51 Personen, darunter die Autoren Robert L. Thoms und Roberto M. Gehle) in die Grube ein; Sekundärquellen wie 64 Parishes nennen abweichend bis zu 55 Bergleute.

    Fundstelle: MSHA 1981, S. 8 & S. 19 (48 miners + 3 LSU visitors = 51 Personen); Thoms & Gehle 1994, S. 2 (2-seitiges SMRI-Abstract: beide Autoren als LSU-Forscher unter Tage); 64 Parishes, Abs. 3 (55 miners)

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  9. C9gesichert

    Gegen 08:10 Uhr hörte der Gruben-Elektriker Junius Gaddison auf der 1.300-Fuß-Sohle lautes Poltern aufschwimmender Dieselfässer, entdeckte einen über zwei Fuß tiefen Strom aus dunklem Schlammwasser aus Richtung alter Abbaue (Section 7 West / Entry E4), alarmierte Vorarbeiter Earl Dundas und löste das Gruben-Evakuierungssignal (dreimaliges Blinken der Grubenbeleuchtung) aus.

    Fundstelle: MSHA 1981, S. 19

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  10. C10gesichert

    Das durch das Bohrloch einströmende Süßwasser löste die Steinsalzwände und tragenden Pfeiler im Bereich der 1.300-Fuß-Sohle rasant auf, sodass sich die kleine Durchstichstelle binnen kurzer Zeit zu einem massiven Einbruchschlot erweiterte.

    Fundstelle: MSHA 1981, S. 19

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  11. C11gesichert

    Da die 1.300-Fuß-Sohle am Hauptschacht bereits überflutet war, fuhren die Bergleute mit Dieselfahrzeugen über interne Verbindungsrampen (Declines) auf die trockenere 1.000-Fuß-Sohle; Wilfred Johnson hielt von dort Kontakt nach über Tage, Vorarbeiter Randy La Salle holte die letzten vier Arbeiter von der 1.500-Fuß-Sohle, und Betriebsleiter John Vice sowie Produktionsleiter Louis Babin fuhren zweimal über den Wetterschacht zur Kontrolle auf 1.300 Fuß ein.

    Fundstelle: MSHA 1981, S. 19–20

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  12. C12gesichert

    Von der 1.000-Fuß-Sohle wurden sämtliche 51 unter Tage befindlichen Personen in vier Förderkorbfahrten (Service Cage für 8 Personen plus großer Skipschacht) zwischen 08:40 Uhr und kurz vor 09:00 Uhr unverletzt nach über Tage gebracht; bei der gesamten Katastrophe starb kein einziger Mensch.

    Fundstelle: MSHA 1981, S. 10, 20 & S. 23; Thoms & Gehle 1994, S. 2 (2-seitiges SMRI-Abstract)

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  13. C13gesichert

    Über der Einbruchstelle bildete sich ein rotierender Strudel von rund einer Viertelmeile (~400 m) Durchmesser (Einsturzkrater ca. 1.500 Fuß), der die Plattform P-20, die zweite Ufer-Bohranlage Texaco Well No. 35 (Grafton Drilling), ein Schleppboot sowie laut 64 Parishes 11 Lastschuten (im MSHA-Bericht als ‚a string of barges' von 120–200 ft Länge bezeichnet) in die Tiefe riss; 9 Schuten tauchten nach Verfüllung der Grube wieder auf.

    Fundstelle: MSHA 1981, S. 11, 17–18, 21, 24, 29–30 & Appendix EE S. 108/118 (‚string of barges' & ‚resurfaced barges'); 64 Parishes, Abs. 2 & 5 (11 barges, 9 resurfaced)

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  14. C14gesichert

    Als das einströmende Wasser die Grubenluft komprimierte, schossen ab etwa 13:00 Uhr aus den Schächten Luft-, Schlamm- und Salzwasserfontänen bis zu 400 Fuß (~122 m) hoch auf; zudem entzündete sich aus der abgescherten Fördersonde Texaco Well No. 8 austretendes Erdgas auf der Wasseroberfläche.

    Fundstelle: MSHA 1981, S. 21–22, 24–25 & S. 32; 64 Parishes, Abs. 4 (400-foot geysers)

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  15. C15gesichert

    Nachdem der See leerlief, kehrte der rund 19 km lange Delcambre-Kanal für rund zwei Tage (bis zum Morgen des 22. November 1980) seine Fließrichtung um, zog Salzwasser aus der Vermilion Bay und dem Golf von Mexiko in den Krater und ließ rund 30 Garnelenkutter auf Grund laufen; insgesamt strömten in unter 12 Stunden 800 Mio. bis 1 Mrd. Kubikfuß (23 bis 28 Mio. m³) Wasser und Boden in das Bergwerk.

    Fundstelle: MSHA 1981, S. 21, 25–26; Thoms & Gehle 1994, S. 2 (2-seitiges SMRI-Abstract: 800 Mio.–1 Mrd. ft³ / 23–28 Mio. m³ in <12 h); 64 Parishes, Abs. 4

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  16. C16widersprüchlich

    Populäre Berichte (u. a. 64 Parishes) beziffern die Höhe des rückwärts in den Krater stürzenden Wasserfalls am Delcambre-Kanal auf 150 bis 164 Fuß (46–50 m), während die MSHA-Luftbildauswertung vom 21. November 1980 (10:00 Uhr) den Wasserspiegel im Einsturzkrater auf 40 bis 50 Fuß (12–15 m) unter dem normalen Seeniveau beziffert.

    Fundstelle: MSHA 1981, S. 25 (40–50 ft unter Normalpegel); 64 Parishes, Abs. 4 (150-foot waterfall)

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  17. C17widersprüchlich

    Durch Uferrutschungen und Bodensenkungen brachen laut MSHA rund 65 Acres (~26,3 ha) bzw. laut der geologischen Auswertung von Whitney Autin (1984) 68,2 Acres (~27,6 ha) Land von Jefferson Island ab, darunter Gewächshäuser der Live Oak Gardens und das im Bau befindliche Wohnhaus von Jack Bayless, das rund 20 Fuß tief absackte.

    Fundstelle: MSHA 1981, S. 22, 24 & S. 25–27 (~65 acres); Autin 1984, S. 293 (Abstract: 68,2 acres); 64 Parishes, Abs. 3–4 (65 acres, Bayless house)

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  18. C18gesichert

    Der ehemals 1 bis 3 Meter flache Süßwassersee verwandelte sich dauerhaft in einen tiefen Brack- und Salzwassersee mit verändertem Ökosystem und einer heutigen maximalen Tiefe von rund 60 Metern (200 Fuß); in der geowissenschaftlichen Risikoforschung wird Lake Peigneur (1980) neben Bayou Corne (2012) als eines der beiden großen anthropogenen Salzstock-Sinkholes unter den 153 Salzdiapiren Louisianas geführt.

    Fundstelle: Mostafiz et al. 2021, Section 1 & 2 (Jefferson Island salt dome sinkhole 1980 & Bayou Corne 2012); 64 Parishes, Abs. 5–6 (200 ft / 60 m Tiefe)

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  19. C19gesichert

    Nach wechselseitigen Schadenersatzklagen in Höhe von fast 500 Millionen US-Dollar einigten sich die Parteien im Juli 1983 außergerichtlich auf Zahlungen von insgesamt 44,8 Millionen US-Dollar: 32 Mio. USD von Texaco (93,75 %) und Wilson Brothers (6,25 %) an Diamond Crystal sowie 12,8 Mio. USD (70 % Texaco, 25 % Diamond Crystal, 5 % Wilson Brothers) an Live Oak Gardens / Richard Bayless.

    Fundstelle: MSHA 1981, S. 23; UPI Archives 07.07.1983, Abs. 1–6; 64 Parishes, Abs. 5

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  20. C20widersprüchlich

    Bei der Auswertung nach dem Unglück fiel die Bohransatzstelle P-20 (‚X') auf dem Grubenriss direkt in eine abgebaute Kammer der 1.300-Fuß-Sohle, während Texaco mit einer groben 1.000-Fuß-Höhenlinienkarte ohne Konturen oberhalb -1.000 ft gearbeitet hatte. MSHA ließ mangels Zugänglichkeit offen, ob Kriechinstabilität, das Anbohren durch P-20 oder beides zusammen den Einbruch auslöste; die spezifische Erklärung einer Projektionsverwechslung (Transverse Mercator vs. UTM) entstammt späteren ingenieurwissenschaftlichen Fallstudien (64 Parishes nennt allgemein ‚misread the coordinates').

    Fundstelle: MSHA 1981, S. 12–14, 20 & S. 41–44 (Conclusion & Appendix T; kein UTM-Hinweis im MSHA-Bericht); Autin 1984, S. 293; 64 Parishes, Abs. 3 (‚misread the coordinates')

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