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Mitholz 1947: Die Nacht, in der die Fluh explodierte

Ein geheimes Munitionslager im Kandertal, neun Tote – und mehrere tausend Tonnen Munition, die der Bund bis 2047 aus dem Berg holen will

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Quellen & Faktencheck

  1. [1]Q1primaryEhemaliges Munitionslager Mitholz (Dossierseite mit Chronik und Dokumenten)

    Schweizer Armee / Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS · 2026-01-07 · S. Abschnitte „Explosionskatastrophe 1947“ und „Geschichte der Anlage“

    Belege C1, C3, C5, C7, C8, C15, C16, C17

  2. [2]Q2primaryProjekt ehemaliges Munitionslager Mitholz

    Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS · 2026-08-20 · S. Abschnitte Projektziel, Zeitplan und Projektstand

    Belege C14, C17

  3. [3]Q3primaryEhemaliges Munitionslager Mitholz – Schlussbericht Risikoanalyse (Version 1.1)

    Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS · 2018-09-27 · S. S. 15–18 (Kap. 4.4 Explosionsereignis 1947, Munitionsbilanz)

    Belege C4, C5, C7, C9, C12, C14

  4. [4]Q4academicEhemaliges Munitionslager Mitholz – Historische Untersuchung

    Kellerhals + Haefeli AG, Bern, im Auftrag von armasuisse Immobilien, Kellerhals + Haefeli AG · 2010 · S. PDF-S. 5, 11, 14–18 (Anlage, Ablauf, Schäden, Räumung), PDF-S. 36 (Anhang 3, EMD-Pressekonferenz 23.12.1947); alle Seitenangaben nach PDF-Zählung

    Belege C1, C2, C3, C4, C5, C8, C9, C10, C11, C12, C13, C14

  5. [5]Q5primaryEhemaliges Munitionslager Mitholz – Bericht der Arbeitsgruppe Mitholz

    Generalsekretariat VBS, Raum und Umwelt VBS · 2020-10-21 · S. S. 3 (Ausgangslage)

    Belege C3, C9, C15

  6. [6]Q6primarySchlussbericht per Ende April 2024 der Expertengruppe VBS – Zusammenstellung Ergebnisse technische Untersuchungen mit Fokus Munition 2022/23 (V 1.3)

    Generalsekretariat VBS (GS-VBS), Projekt Mitholz · 2024-12-17 · S. S. 9

    Belege C12

  7. [7]Q7primaryProjektauftrag Räumung ehemaliges Munitionslager Mitholz (Stand Januar 2026)

    armasuisse / VBS · 2026-01 · S. Kap. Ausgangslage

    Belege C15, C16

  8. [8]Q8primaryProjekt Mitholz

    Gemeinde Kandergrund · S. Einleitung

    Belege C5

  9. [9]Q9archiveGemeindepräsident Eduard Kleinjenni berichtet über die Explosionskatastrophe in Mitholz vom 19./20. Dezember 1947

    Gemeinde Kandergrund (Digitalisat), Eduard Kleinjenni · 1947/1948 (Abfassungsdatum im Dokument nicht genannt) · S. S. 1

    Belege C6, C11

  10. [10]Q10pressMunitionsunglück in Mitholz – Als der Berg explodierte

    Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) · 2020-02-25 · S. Gesamter Artikel

    Belege C3, C4, C5, C6, C7, C9, C11, C13

  11. [11]Q11pressExplosionen in Mitholz – Die Erinnerungen kommen wieder hoch

    Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) · 2018-07-01 · S. Abschnitt vor „Beim Erzählen erwachen die schrecklichen Bilder“

    Belege C5, C7, C18

  12. [12]Q12press#SwissHistoryPics: Kandertal – als die Nacht explodierte

    swissinfo.ch (SRG SSR) · 2017-12-19 · S. Gesamter Artikel

    Belege C6, C7, C8, C9, C10

  13. [13]Q13primaryEhemaliges Munitionslager Mitholz: Plangenehmigungsverfahren startet ab Mitte 2026 (Medienmitteilung)

    Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS · 2025-10-30 · S. Gesamte Medienmitteilung

    Belege C19

  14. [14]Q14primarySchadstoffuntersuchungen bestätigen Planungshypothese (Medienmitteilung)

    armasuisse / VBS · 2026-05-28 · S. Abschnitte „Grosse Mengen schadstoffbelastetes Material im Schuttkegel“ und „Start des Plangenehmigungsverfahrens für die Schutzmassnahmen Bahn im Dezember 2026“

    Belege C17, C20

  15. [15]Q15primaryRäumung ehemaliges Munitionslager Mitholz – Sachstandbericht 2/2026

    armasuisse, Projektleitung Mitholz · 2026-08-13 · S. S. 1 (Kap. 1), S. 2 (Kap. 1.3–1.4), S. 3 (Kap. 2.2), S. 4 (Kap. 3.2)

    Belege C20, C21, C22

Alle 22 geprüften Aussagen & Einzelbelege (C1–C22) im Detail anzeigen
  1. C1gesichert

    Das Munitionslager in der Fluh bei Mitholz wurde 1941–1945 in den Fels gebaut; es umfasste sechs Kammern von je rund 150 m Länge (149 m) und 8,5 m Breite und war geheim.

    Fundstelle: Q1 Abschnitt „Geschichte der Anlage“ (Bau, Kammern, „Das Munitionslager war geheim“); Q4 PDF-S. 14 (Bau 1941–1945, 149 m × 8,5 m)

    [1,4]

  2. C2gesichert

    Ein 8 m breiter Bahnstollen verlief rund 20 m tief im Fels parallel zur Felswand und rechtwinklig zu den Kammern; die Kammern waren über Vorräume mit ihm verbunden.

    Fundstelle: Q4 PDF-S. 14

    [4]

  3. C3gesichert

    Eingelagert waren rund 7000 Bruttotonnen Munition, darunter Artilleriemunition, Minen, Flab-Munition und 50-kg-Fliegerbomben; die Inventarliste wurde bei der Explosion zerstört.

    Fundstelle: Q1 Abschnitt „Explosionskatastrophe 1947“; Q4 PDF-S. 14; Q5 S. 3

    [1,4,5,10]

  4. C4gesichert

    Ablauf: ab etwa 23.15 Uhr Geräusche wie von einer Camionkolonne, 23.30 Uhr erste grosse Explosion, 23.35 Uhr zweite, um 0.10 Uhr die grösste; danach brach der nördliche Teil der Fluh ein.

    Fundstelle: Q3 S. 15 (Kap. 4.4.1, Zitat Cruchaud 1969); Q4 PDF-S. 15 (Lichterscheinungen ca. 23.10 Uhr)

    [3,4,10]

  5. C5gesichert

    Neun Menschen starben; mehr als 200 Menschen wurden obdachlos.

    Fundstelle: Q1 Abschnitt „Explosionskatastrophe 1947“; Q4 PDF-S. 5; Q3 Zusammenfassung

    [1,3,4,8,10,11]

  6. C6unbestätigt

    Laut SRF und swissinfo waren unter den neun Toten vier Kinder; der Bericht des damaligen Gemeindepräsidenten (zwei Grosskinder, ein Pflegekind, Sohn des Stationsvorstands ohne Alter) ist damit vereinbar, bestätigt die Zahl aber nicht.

    Fundstelle: Q10 Abschnitt zur Unglücksnacht; Q12 Fliesstext; Q9 S. 1

    [9,10,12]

  7. C7widersprüchlich

    Die Zahl der Verletzten ist uneinheitlich: 7 (SRF 2018), „Dutzende“ (VBS-Dossier), „viele“ (SRF 2020), „mehrere“ (swissinfo).

    Fundstelle: Q11 Abschnitt „Die Unglücksnacht“; Q1 Abschnitt „Explosionskatastrophe 1947“; Q10; Q3 Zusammenfassung („viele Verletzte“); Q12 („mehrere Verletzte“)

    [1,3,10,11,12]

  8. C8widersprüchlich

    Gebäudeschäden: 39 Häuser mit Totalschaden und 66 teilweise zerstört (Kellerhals + Haefeli), „über 40 Häuser“ beschädigt und 20 neu aufgebaut (VBS), bis zu 100 Gebäude (swissinfo).

    Fundstelle: Q4 PDF-S. 16 (39 Totalschäden), Q4 Anhang S. 36 = PDF-S. 36 (66 teilbeschädigt); Q1 Abschnitt „Explosionskatastrophe 1947“; Q12

    [1,4,12]

  9. C9widersprüchlich

    Wie viel explodierte, ist umstritten: rund 840 t (Arbeitsgruppe 2020; 360 t Sprengstoff detoniert plus 480 t Pulver verbrannt laut Bilanz 2018), rund 3000 t (EMD 1947), etwa die Hälfte bzw. rund 4000 von 7000 t explodiert oder verbrannt (SRF).

    Fundstelle: Q5 S. 3; Q3 S. 18 (Bilanz Eichenberger); Q4 PDF-S. 36 (Anhang 3, EMD-Pressekonferenz 23.12.1947); Q10 („Rund 4000 von 7000 Tonnen“); Q12

    [3,4,5,10,12]

  10. C10gesichert

    Die Felswand stürzte ein (rund 240 000 m³ im Norden, rund 15 000 m³ im Süden) und verschüttete den Bahnstollen; die Kammern selbst hielten der Explosion stand.

    Fundstelle: Q4 PDF-S. 11 und PDF-S. 15 (gedruckt S. 7 und S. 11); Q12 (rund 250 000 m³)

    [4,12]

  11. C11plausibel

    Die Station Blausee-Mitholz wurde zerstört; Trümmer und Geschosse flogen bis rund 1,8 km, nach anderen Angaben bis 2 km weit; ein Krater von rund 15 m Durchmesser entstand.

    Fundstelle: Q4 PDF-S. 15–16; Q9 S. 1; Q10

    [4,9,10]

  12. C12unbestätigt

    Die Ursache ist nicht abschliessend geklärt. 2010 galt Kupferazid in Zündern als wahrscheinlichste Ursache, 2018 als Haupthypothese; 2024 war an untersuchten Zünderteilen noch kein Kupferazid nachgewiesen.

    Fundstelle: Q4 PDF-S. 15; Q3 S. 17 (Kap. 4.4.3); Q6 S. 9

    [3,4,6]

  13. C13widersprüchlich

    Bei der Räumung nach 1947 wurden rund 80 t vor Ort gesprengt und rund 1400 t (1403 t) im Thunersee versenkt; SRF nennt rund 1500 t.

    Fundstelle: Q4 PDF-S. 17–18; Q10

    [4,10]

  14. C14widersprüchlich

    Im Berg liegen nach Risikoanalyse 2018 noch bis zu 3500 Bruttotonnen mit einigen hundert Tonnen Sprengstoff; die Historische Untersuchung 2010 hatte rund 4780 t geschätzt.

    Fundstelle: Q3 Zusammenfassung und S. 18; Q2 Abschnitt Ausgangslage; Q4 PDF-S. 17

    [2,3,4]

  15. C15gesichert

    Risikobeurteilungen 1949 und 1986 führten zur Weiternutzung; ab 1987 dienten Anlagenteile als Armeeapotheke und Truppenunterkunft. 2018 wurde das Risiko als teilweise nicht akzeptabel eingestuft.

    Fundstelle: Q5 S. 3; Q1 Abschnitt „Geschichte der Anlage“; Q7 Kap. Ausgangslage

    [1,5,7]

  16. C16gesichert

    Der Bundesrat beschloss 2020 die Räumung, 2022 folgte die Botschaft, 2023 bewilligte das Parlament einen Verpflichtungskredit von 2,59 Milliarden Franken.

    Fundstelle: Q1 Chronik; Q7 Kap. Ausgangslage

    [1,7]

  17. C17gesichert

    Zeitplan laut VBS (Stand 20.08.2026): Räumung und Wiederbesiedlung bis voraussichtlich 2047 statt 2045; Plangenehmigungsverfahren Schutzmassnahmen Bahn ab Dezember 2026, Strasse und Räumung voraussichtlich Anfang 2029; bis Ende Juni 2026 rund 69 000 m² Weideflächen geräumt; Bewohner im Sicherheitsperimeter müssen wegziehen; dank abgestufter Gefahrenzonen und Perimeter können mehr Personen bleiben als zunächst erwartet (Q1).

    Fundstelle: Q2 Abschnitte Projektdauer und Projektbeurteilung; Q1 Einleitung (Wegzug der Bevölkerung); Q14 Abschnitt „Start des Plangenehmigungsverfahrens für die Schutzmassnahmen Bahn im Dezember 2026“

    [1,2,14]

  18. C18gesichert

    Die Zeitzeugin Regina Trachsel war 1947 neun Jahre alt und floh mit Mutter und Geschwistern durch den Wald.

    Fundstelle: Q11 Abschnitt vor „Beim Erzählen erwachen die schrecklichen Bilder“

    [11]

  19. C19gesichert

    Die temporäre Verfüllung der Hohlräume im ehemaligen Bahnstollen wurde im Juni 2025 abgeschlossen; bis Ende September 2025 waren rund 30 000 m² geräumt und 69 Munitionsobjekte über 20 mm Kaliber geborgen. Im Oktober 2025 war das Plangenehmigungsverfahren noch ab Mitte 2026 geplant.

    Fundstelle: Q13 Einleitung und Abschnitt zur Flächenräumung

    [13]

  20. C20gesichert

    Im Schuttkegel vor der Fluh liegen rund 350 000 m³ stark bis sehr stark schadstoffbelastetes Material; vor Ort entstehen eine Testanlage zur Materialtriage und ein Sprengbunker, der voraussichtlich ab 2027 bereitsteht.

    Fundstelle: Q14 Abschnitt „Grosse Mengen schadstoffbelastetes Material im Schuttkegel vor der Fluh“; Q15 S. 2 (Kap. 1.3–1.4)

    [14,15]

  21. C21gesichert

    Bei Sondiergrabungen im Sackstollen ab Juni 2026 wurden auf rund 44 m² rund 1450 Munitionsobjekte mit 5170 kg Gesamtgewicht und nominal rund 580 kg Explosivstoff geborgen, darunter drei 50-kg-Fliegerbomben; ab Mitte August 2026 wird der Sackstollen temporär verfüllt.

    Fundstelle: Q15 S. 3 (Kap. 2.2)

    [15]

  22. C22gesichert

    Im Juni 2026 stimmte die Gemeindeversammlung Kandergrund dem Verkauf der Gemeindeliegenschaften, darunter Schulhaus und Turnhalle, an das VBS zu.

    Fundstelle: Q15 S. 1 (Kap. 1)

    [15]