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Nutty Putty Cave 2009: 27 Stunden in der Felsspalte
Wie der 26-jährige Medizinstudent John Edward Jones in einer unkartierten Engstelle 30 Meter unter der Erde steckenblieb – und warum das Höhlensystem in Utah für immer versiegelt wurde
Quick Story · Video · 60 Sek.
Nutty Putty Cave 2009: 27 Stunden in der Felsspalte
Am Abend des 24. November 2009 kriecht der 26-jährige Medizinstudent John Edward Jones durch die feucht-warmen Kalksteinröhren der Nutty Putty Cave westlich des Utah Lake. Er ist über Thanksgiving zu Besuch in seiner Heimat Utah, gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Josh und zehn weiteren Freunden und Familienmitgliedern. Auf der Suche nach dem berühmten, engen Durchschlupf namens „Birth Canal“ biegt er versehentlich in einen unkartierten Seitengang namens „Ed's Push“ ab. Gegen 20:45 Uhr schiebt sich der 1,83 Meter große Mann kopfüber in eine steil abfallende Felsspalte, weil er hinter der Verengung eine Wendekammer vermutet – und sitzt rund 30 Meter unter der Oberfläche in einer steinernen Falle fest, aus der ihn selbst 137 Rettungskräfte nicht mehr befreien können. [C7]↓ [C8]↓ [C9]↓ [C11]↓ [C14]↓ [Q1]↓ [Q5]↓ [Q6]↓ [Q7]↓ [Q8]↓
Wie warmer Dampf im Winter zur Entdeckung der Höhle führte
Die Nutty Putty Cave entstand nicht durch versickerndes Regenwasser von oben, sondern wurde durch aufsteigendes, erhitztes Tiefenwasser von unten her in den Kalkstein gefressen.
Im Jahr 1960 erhielt der Höhlenforscher Dale Green von einem lokalen Rancher in den Lake Mountains westlich des Utah Lake einen ungewöhnlichen Hinweis: Mitten im Winter steige dort aus einem schmalen Loch im verschneiten Felsboden warmer Wasserdampf auf. Als Green und seine Begleiter den Spalt freilegten und abstiegen, stießen sie auf ein verzweigtes Labyrinth aus abgerundeten Röhren, Engstellen und steilen Rutschen mit einer vermessenen Gesamtlänge von rund 1.400 Fuß (etwa 425 Metern). Im Inneren herrschte das ganze Jahr über eine feucht-warme Atmosphäre. [C1]↓ [C2]↓ [Q4]↓ [Q6]↓
Geologisch handelte es sich um ein hypogenes, hydrothermales Karstsystem: Heißes, mineralreiches Wasser war einst aus der Tiefe durch Klüfte im Gestein nach oben gedrückt worden und hatte den Kalkstein zu glatten, gewundenen Kriechgängen aufgelöst. An den Wänden klebte ein zäher, weicher brauner Tonlehm, der bei Berührung nachgab. Dale Green verglich diese Masse zunächst mit der Spielknete „Silly Putty“ und gab der Höhle schließlich den Namen „Nutty Putty Cave“. Unter und neben dem Lehm barg die hydrothermale Entstehung jedoch eine verhängnisvolle geologische Besonderheit: Auf dem harten Kalkstein lagerte eine dicke, pulvrige Kruste aus mürbem Kalzit, die schon bei geringer mechanischer Belastung wie trockener Putz abblätterte. [C2]↓ [C3]↓ [Q4]↓ [Q6]↓
Warum die Höhle schon 2006 gesperrt werden musste
Über Jahrzehnte zwängten sich mehr als 50.000 Besucher durch die engen Gänge, bis vier dramatische Rettungseinsätze im Mai 2006 eine dreijährige Sperrung erzwangen.
Weil der Einstieg ohne Seilausrüstung erreichbar war und Passagen mit bildhaften Namen wie „Big Slide“, „Scout Eater“ oder „Birth Canal“ als Mutprobe galten, entwickelte sich die auf staatlichem Treuhandland der Utah School and Institutional Trust Lands Administration (SITLA) gelegene Höhle zu einem beliebten Ausflugsziel. Höhlenretter wie Max Barker schätzten später, dass sich seit den 1960er Jahren weit mehr als 50.000 Menschen – vor allem Pfadfindergruppen und Studierende der nahegelegenen Universitäten in Provo und Orem – durch das Labyrinth geschoben hatten. [C4]↓ [Q1]↓ [Q3]↓ [Q6]↓
Doch immer wieder unterschätzten unerfahrene Gruppen die extremen Verengungen. Innerhalb von zehn Jahren vor 2009 mussten Rettungsteams des Utah County Sheriff's Office viermal ausrücken, um festsitzende Höhlengänger aus dem Fels zu befreien. Allein im Jahr 2004 kam es kurz hintereinander zu zwei langwierigen Einsätzen, bei denen unter anderem ein 16-jähriger Pfadfinder erst nach 14 Stunden aus einer Engstelle gezogen werden konnte. Um den unkontrollierten Zustrom zu stoppen, wurde 2006 ein verschließbares Stahlgittertor in den engen Einstiegsschacht eingebaut und die Nutty Putty Cave im Mai 2006 komplett für die Öffentlichkeit gesperrt. [C5]↓ [Q1]↓ [Q2]↓ [Q3]↓ [Q6]↓
Erst nach dreijährigen Verhandlungen über ein neues Sicherheitskonzept wurde die Höhle im Mai 2009 wieder zugänglich gemacht. Die Verwaltung übernahm die Timpanogos Grotto, eine lokale Ortsgruppe der National Speleological Society (NSS), die ein kostenloses Online-Reservierungssystem mit festen Zugangsgenehmigungen und Sicherheitsauflagen einführte. [C6]↓ [Q2]↓ [Q3]↓ [Q5]↓
Wie John Edward Jones am 24. November 2009 in „Ed's Push“ geriet
Auf der Suche nach dem bekannten Kriechgang „Birth Canal“ verwechselte der 26-jährige Medizinstudent einen unkartierten Abzweig und rutschte kopfüber in eine senkrechte Felsspalte.
Nur ein halbes Jahr nach der Wiedereröffnung plante der 26-jährige John Edward Jones während seines Heimaturlaubs vor Thanksgiving einen gemeinsamen Höhlenausflug. Jones studierte im zweiten Jahr Medizin an einer Universität im US-Bundesstaat Virginia; mit seiner Ehefrau Emily hatte er eine 14 Monate alte Tochter namens Lizzie, und im Juni 2010 erwartete das Paar sein zweites Kind. Als Jugendlicher hatte er mit seinem Vater und seinem Bruder Josh häufig Höhlen in Utah erkundet. Am Abend des 24. November 2009 stieg er gegen 20:00 Uhr zusammen mit seinem Bruder Josh sowie zehn weiteren Freunden und Verwandten – insgesamt elf Begleitern – in die Nutty Putty Cave ein. [C7]↓ [Q1]↓ [Q2]↓ [Q5]↓ [Q6]↓
Nachdem die Gruppe über die schräge Felspassage „Big Slide“ in den Hauptteil abgestiegen war, machte sich John auf die Suche nach dem „Birth Canal“ – einem berüchtigten, aber auf den regulären Höhlenkarten verzeichneten Kriechschlauch, an dessen Ende eine kleine Kammer das Wenden ermöglicht. In dem unübersichtlichen Geflecht nahe dem Bereich „Bob's Push“ kroch er jedoch versehentlich in einen unkartierten Seitengang, der unter erfahrenen Höhlenforschern als „Ed's Push“ bekannt war. [C8]↓ [Q2]↓ [Q5]↓ [Q6]↓ [Q8]↓
Gegen 20:45 Uhr erreichte der 1,83 Meter (6 Fuß) große und rund 91 Kilogramm (200 Pfund) schwere Mann das Ende des rund 135 Fuß (etwa 41 Meter) langen, extrem niedrigen Zugangsrohrs. Vor ihm öffnete sich im Boden eine steil nach unten führende Spalte, die lediglich rund 18 mal 10 Zoll (etwa 45 mal 25 Zentimeter) maß. In der Annahme, es handle sich um den Durchschlupf zur Wendekammer des „Birth Canal“, schob sich Jones mit dem Kopf voran über die Kante. Weil er weder die Hüften drehen noch rückwärts kriechen konnte, versuchte er sich weiter vorwärtszuarbeiten. Tiefer in der Rinne verengte sich der Spalt hinter einem hakenförmigen Felsvorsprung auf nur noch rund 8,5 Zoll (etwa 21,5 Zentimeter). Jones atmete die Luft aus seiner Lunge, um seinen Brustkorb über die Felskante zu zwängen – doch als er wieder einatmete, keilte ihn der Stein in einem Winkel von 70 bis 80 Grad kopfüber fest. [C9]↓ [C10]↓ [C11]↓ [Q1]↓ [Q2]↓ [Q5]↓ [Q6]↓ [Q7]↓ [Q8]↓
Warum das Flaschenzugsystem im bröseligen Kalzit versagte
Nur sechs von 137 angerückten Rettungskräften passten durch den engen Zugangstunnel, und nach drei erfolgreichen Hebezügen brach am Abend des 25. November die Verankerung aus dem mürben Gestein.
Als sein Bruder Josh ihn wenig später fand, ragten nur noch Johns Unterschenkel und Füße aus der senkrechten Spalte. Josh versuchte verzweifelt, seinen Bruder an den Waden nach oben zu ziehen, doch durch die Reibung und den Felsvorsprung bewegte sich John keinen Zentimeter. Nachdem die Brüder kurz gemeinsam gebetet hatten, kroch Josh zum Ausgang, sodass kurz vor 21:30 Uhr der Notruf beim Utah County Sheriff's Office einging. [C13]↓ [Q1]↓ [Q5]↓ [Q6]↓
Gegen 0:30 Uhr am frühen Morgen des 25. November erreichte die 1,60 Meter (5 Fuß 3 Zoll) große, schmale freiwillige Höhlenretterin Susie Motola als erste Einsatzkraft das Ende von „Ed's Push“. [C13]↓ [Q6]↓
“Oh, no worries, John,” she told him. “You’re going to be out of here lickety split.”
Auf ihre ermutigenden Worte antwortete Jones aus der Dunkelheit: “Hi, Susie, thanks for coming, but I really, really want to get out.” In den folgenden Stunden wuchs die Rettungsaktion zu einem Großeinsatz an: Nach der abschließenden Bilanz von Einsatzleiter Sgt. Tom Hodgson leisteten insgesamt 137 Einsatzkräfte während der rund 27-stündigen Operation mehr als 3.700 Arbeitsstunden. Doch die Geometrie der Höhle machte ihre Überzahl beinahe wirkungslos: Über die gesamte Einsatzdauer waren lediglich sechs besonders schmale Freiwillige überhaupt in der Lage, sich durch den rund 41 Meter langen Kriechgang direkt bis zu John vorzuzwängen und dort jeweils einzeln im Liegen zu arbeiten. [C13]↓ [C14]↓ [C15]↓ [Q2]↓ [Q6]↓ [Q7]↓
Noch gravierender erwies sich die Geologie der Höhle. Als die Retter Klemmkeile (Cams) in den Rissen verankern wollten, rutschten diese an der dicken, pulvrigen Kalzitschicht sofort ab. Um tragfähige Haltepunkte im darunterliegenden harten Kalkstein zu schaffen, mussten die Helfer im engen Rohr einen schweren Bohrhammer einsetzen – allein das Bohren eines einzigen, sechs Zoll (15 Zentimeter) tiefen Ankerlochs dauerte rund 90 Minuten. Erst gegen 16:00 Uhr am Nachmittag des 25. November war ein hochkomplexes Seil- und Flaschenzugsystem aus fast 15 Tandem-Umlenkrollen fertiggestellt. Da Johns Beine beim direkten Herausziehen gegen die niedrige Höhlendecke gestoßen wären, musste das System seinen Körper gleichzeitig anheben und rückwärts um die Kurve lenken. [C3]↓ [C16]↓ [C17]↓ [Q6]↓ [Q7]↓
Am späten Nachmittag schien die Rettung tatsächlich zu gelingen: In drei getrennten Hebezügen zogen die Teams an den Seilen und hoben Jones Stück für Stück so weit aus der Spalte, dass sein Oberkörper frei kam. Er hatte direkten Augenkontakt mit dem vor ihm liegenden Retter Ryan Shurtz, lächelte kurz, erhielt eine Infusion in das Bein und konnte über ein 400 Fuß langes Kabel mit seiner draußen wartenden Ehefrau Emily sprechen. [C17]↓ [Q1]↓ [Q7]↓
Doch als die Retter am Abend nach mehrstündiger Entlastung zum entscheidenden vierten Hebezug ansetzten, versagte der wichtigste Umlenkpunkt direkt über der Spalte mit einem lauten Knall. In den Quellen wird die genaue Versagensmechanik unterschiedlich beschrieben: Während die detaillierte Rekonstruktion der Salt Lake Tribune berichtet, der natürliche Felsbogen selbst sei unter der enormen Zuglast zerbrochen („the stone arch had shattered“), gab die Polizei unmittelbar nach dem Einsatz an, einer der in den Fels gebohrten Anker habe sich aus dem Gestein gelöst („one of the anchors that had been drilled into the rock had come undone“). Der unter Hochspannung stehende Karabiner schnellte zurück, traf Ryan Shurtz schwer im Gesicht und an der Zunge – sodass dieser kurzzeitig das Bewusstsein verlor – und ließ John Edward Jones wieder tief in die enge Spalte zurückgleiten. [C18]↓ [C19]↓ [Q1]↓ [Q5]↓ [Q7]↓
Warum die Nutty Putty Cave im Dezember 2009 für immer versiegelt wurde
Nach 27 Stunden in Kopfüber-Lage starb John Edward Jones am 25. November um 23:56 Uhr; wenige Tage später wurde die Höhle mit Sprengstoff und rund 23 Kubikmetern Beton dauerhaft verschlossen.
Durch den Sturz in die Ausgangslage und die fehlende Verankerung war das gesamte Flaschenzugsystem zerstört. Während der verletzte Ryan Shurtz aus dem Tunnel geborgen wurde, krochen dessen Vater Dave Shurtz und der erfahrene Höhlenforscher Brandon Kowallis ein letztes Mal zu Jones vor, um unter verzweifeltem Körpereinsatz eine neue Schlinge um ihn zu legen. Doch nach mehr als 24 Stunden im Winkel von 70 bis 80 Grad kopfüber hatte sich das Blut im Oberkörper und im Kopf gestaut; die Lungenflügel wurden durch das Gewicht der Bauchorgane zusammengedrückt, und das Herz versagte unter der Dauerbelastung. Als Kowallis die Engstelle verließ, atmete Jones bereits nicht mehr. Am 25. November 2009 um 23:56 Uhr stellte ein bis zur Spalte vorgedrungener Sanitäter offiziell den Tod von John Edward Jones fest. [C11]↓ [C20]↓ [Q1]↓ [Q5]↓ [Q6]↓ [Q7]↓
Zwei Tage später, am 27. November 2009, traten das Utah County Sheriff's Office, Vertreter der Landverwaltung SITLA und die Familie Jones vor die Presse. Gemeinsam gaben sie bekannt, dass der Leichnam nicht geborgen werde, sondern in der Höhle verbleibe. Fachingenieure hatten berechnet, dass selbst das Abteufen eines vertikalen Bohrschachts von der Oberfläche bis zur Unglücksstelle zwischen 400.000 und 900.000 US-Dollar gekostet hätte – zusätzlich zu den bereits angefallenen Rettungskosten von über 40.000 US-Dollar – und am Ende dennoch Helfer im brüchigen, lebensgefährlichen Gang hätten arbeiten müssen. Mike Forshee von der Treuhandverwaltung SITLA fasste den ausschlaggebenden Grund für die Schließung gegenüber der Deseret News zusammen: [C21]↓ [Q2]↓ [Q3]↓ [Q5]↓ [Q8]↓
“The reason the cave closed is not that we have a death; it's that we have an unrecoverable victim.”
Während Deputies des Sheriff's Office den abgelegenen Höhleneingang rund um die Uhr bewachten, um Schaulustige fernzuhalten, begannen Anfang Dezember die technischen Vorbereitungen für die endgültige Schließung. Am 1. Dezember 2009 brachte das Bomb Squad des Utah County Sheriff's Office gezielte Sprengladungen an und sprengte die Höhlendecke nahe dem Einstiegsschacht kontrolliert zum Einsturz. Vom 2. bis zum 4. Dezember 2009 füllten Bautrupps die verbleibende Öffnung mit rund 30 Kubikyard (etwa 23 Kubikmetern) Beton auf. Eine in den Fels eingelassene bronzene Gedenktafel erinnert seither an John Edward Jones, für den die dauerhaft versiegelte Nutty Putty Cave zur letzten Ruhestätte wurde. [C22]↓ [Q1]↓ [Q2]↓ [Q3]↓ [Q5]↓
Quellen & Faktencheck
Q1pressMan trapped in Utah County's Nutty Putty cave dies
Deseret News, Salt Lake City, Emiley Morgan, Sara Lenz · 2009-11-26
Q2pressBody will remain in sealed Utah County cave
Deseret News, Salt Lake City, Emiley Morgan · 2009-11-28
Q3pressNutty Putty Cave to be sealed today
Deseret News, Salt Lake City, Sara Lenz · 2009-12-04
Q4interviewNutty Putty Cave discoverer doesn't want it to be closed
KSL-TV / KSL.com, Salt Lake City, Alex Cabrero · 2009-11-27
Q5primary'Cold': Theory of Susan Powell in Nutty Putty Cave debunked
KSL Newsradio / Utah County Sheriff's Office Case Records, Dave Cawley, Sgt. Spencer Cannon (Utah County Sheriff's Office Records) · 2019-04-03
Q6pressNutty Putty: 'I really, really want to get out' (Part 1)
The Salt Lake Tribune, Lindsay Whitehurst · 2018-07-09
Q7pressThe tragedy of Nutty Putty Cave and John Jones (Part 2)
The Salt Lake Tribune, Lindsay Whitehurst · 2018-07-10
Q8pressOfficials halt efforts to remove body from cave
KSL.com, Salt Lake City, Sarah Dallof, John Hollenhorst, Marc Giauque · 2009-11-27
Alle 22 geprüften Aussagen & Einzelbelege (C1–C22) im Detail anzeigen
C1gesichert
Die Nutty Putty Cave in den Lake Mountains westlich des Utah Lake wurde 1960 vom Höhlenforscher Dale Green entdeckt, nachdem ihm ein lokaler Rancher von einem Loch im Boden berichtet hatte, aus dem im Winter warmer Wasserdampf aufstieg.
Fundstelle: Q4, Abs. 4–7 (Dale Green Interview: discovered in 1960 after rancher noticed warm steam in winter); Q6, Abschn. zur Entdeckungsgeschichte
C2gesichert
Geologisch handelt es sich um eine hydrothermale Karsthöhle, die durch von unten aufsteigendes erhitztes Wasser im Kalkstein ausgewaschen wurde, eine Gesamtlänge von rund 1.400 Fuß (ca. 425 Metern) aufweist und im Inneren ganzjährig feucht-warme Luft führt.
Fundstelle: Q4, Abs. 8–10 (formed from the bottom up by hydrothermal activity, about 1,400 feet of passages); Q6, Beschreibung der feucht-warmen Höhlenluft
C3gesichert
Ihren Namen erhielt die Höhle durch den zähen, braunen Tonlehm an den Wänden, den Dale Green zunächst mit ‚Silly Putty' verglich und ‚Nutty Putty' nannte; über dem harten Kalkstein lagert zudem eine dicke, bröselige Schicht aus mürbem Kalzit.
Fundstelle: Q4, Abs. 11–13 (brown clay like Silly Putty -> Nutty Putty); Q6, Abschn. zum Gesteinsaufbau (thick layer of powdery calcite over hard limestone)
C4gesichert
Seit den 1960er Jahren besuchten nach Schätzungen von Höhlenrettern wie Max Barker mehr als 50.000 Menschen – vor allem Pfadfindergruppen und Studierende der nahegelegenen Universitäten – das auf staatlichem Treuhandland der Utah School and Institutional Trust Lands Administration (SITLA) gelegene Höhlensystem.
Fundstelle: Q6, Zitat Max Barker (> 50,000 visitors since the 1960s); Q1 & Q3, Eigentümerstatus der SITLA
C5gesichert
Nachdem es in den zehn Jahren vor 2009 zu vier aufwendigen Rettungseinsätzen gekommen war – darunter zwei Rettungen im Jahr 2004, bei denen unter anderem ein 16-jähriger Pfadfinder nach 14 Stunden aus einer Engstelle befreit werden musste –, wurde 2006 ein Stahlgittertor am Eingang installiert und die Höhle im Mai 2006 aus Sicherheitsgründen geschlossen.
Fundstelle: Q3, Rückblick auf vier Rettungseinsätze in zehn Jahren (inkl. 16-Jähriger 2004 für 14 Stunden); Q2, Abs. 12–14 (closed in May 2006); Q6, Einbau des Stahlgittertors 2006
C6gesichert
Nach dreijähriger Schließung wurde die Nutty Putty Cave im Mai 2009 unter der Verwaltung der Höhlenforschergruppe Timpanogos Grotto (Ortsgruppe der National Speleological Society) mit einem kostenlosen Online-Reservierungssystem und Sicherheitsauflagen wiedereröffnet.
Fundstelle: Q2, Abs. 12–14 (reopened in May 2009); Q3, Verwaltung durch Timpanogos Grotto und Zugangssystem; Q5, Abschn. zum Reservierungssystem ab Mai 2009
C7gesichert
Am Abend des 24. November 2009 stieg der 26-jährige Medizinstudent John Edward Jones – der an einer Universität in Virginia studierte, mit seiner Ehefrau Emily eine 14 Monate alte Tochter namens Lizzie hatte, im Juni 2010 sein zweites Kind erwartete und über Thanksgiving seine Familie in Utah besuchte – gegen 20:00 Uhr gemeinsam mit seinem Bruder Josh und zehn weiteren Begleitern (insgesamt elf Begleitern) in die Höhle ein.
Fundstelle: Q1, Abs. 1–6 (entry around 8 p.m., Nov. 24, 2009); Q5, Abschn. zum Einstieg mit 11 Begleitern; Q6, biografische Angaben zu John, Emily, Tochter Lizzie (14 Monate) und zweitem Kind (Juni 2010)
C8gesichert
Nach dem Abstieg über die steile Felspassage ‚Big Slide' suchte John Edward Jones allein nach dem bekannten, engen Kriechgang ‚Birth Canal', kroch jedoch versehentlich in einen unkartierten Seitengang nahe ‚Bob's Push', der unter Höhlenforschern als ‚Ed's Push' bekannt war.
Fundstelle: Q6, Beschreibung des Wegs über Big Slide auf der Suche nach dem Birth Canal in die unkartierte Passage nahe Bob's Push; Q8, Abs. 9 (Nennung von Ed's Push nahe dem Birth Canal)
C9gesichert
Gegen 20:45 Uhr zwängte sich der 1,83 Meter (6 Fuß) große und rund 91 Kilogramm (200 Pfund) schwere Jones kopfüber in eine steil abfallende Felsspalte am Ende von ‚Ed's Push', weil er annahm, dahinter befände sich die kleine Wendekammer des ‚Birth Canal'.
Fundstelle: Q5, Uhrzeit ca. 20:45 Uhr; Q6 & Q7, Körpermaße 6 feet tall, 200 pounds und Annahme einer Wendekammer wie beim Birth Canal; Q8, Lokalisierung in Ed's Push
C10gesichert
Die Öffnung der Felsspalte maß lediglich rund 18 mal 10 Zoll (etwa 45 mal 25 Zentimeter) und verengte sich weiter unten hinter einem hakenförmigen Felsvorsprung auf rund 8,5 Zoll (etwa 21,5 Zentimeter); als Jones die Luft ausstieß, um seinen Brustkorb über die Kante zu schieben, und anschließend wieder einatmete, klemmte ihn der Fels unentrinnbar fest.
Fundstelle: Q1 & Q2, Maße 18 inches wide by 10 inches high, L-förmiger/hakenförmiger Verlauf; Q5 & Q6, Verengung auf 8.5 inches und Festklemmen durch Aus- und Einatmen über dem Felsvorsprung
C11gesichert
Jones hing in einem Winkel von 70 bis 80 Grad mit dem Kopf nach unten in der Spalte; nach der korrigierten Vermessung des Utah County Sheriff's Office (Sgt. Spencer Cannon) und der Kabellänge des Funkgeräts befand sich die Unfallstelle rund 100 Fuß (ca. 30 Meter) unter der Erdoberfläche und rund 400 Fuß (ca. 120 Meter) vom Höhleneingang entfernt.
Fundstelle: Q1 & Q5, Winkel von 70 bis 80 Grad kopfüber; Q7, 400-Fuß-Funkkabel und 100 Fuß Tiefe; Q8, Abs. 8 (Sgt. Spencer Cannon: approximately 100 feet down and 400 feet from the entrance)
C12widersprüchlich
Während erste Polizeiangaben während des laufenden Rettungseinsatzes die Position noch auf 125 bis 150 Fuß (38 bis 45 Meter) Tiefe unter der Oberfläche und bis zu 700 Fuß (213 Meter) im Höhleninneren geschätzt hatten, korrigierte das Sheriff's Office diese Werte nach Abschluss des Einsatzes offiziell auf rund 100 Fuß Tiefe und 400 Fuß Distanz vom Eingang.
Fundstelle: Q1, Abs. 5 (Erstmeldung: 125 to 150 feet below ground level and as much as 700 feet into the cave) vs. Q7 & Q8, Abs. 8 (Korrektur durch Sgt. Spencer Cannon auf 100 feet down and 400 feet from the entrance)
C13gesichert
Sein Bruder Josh Jones fand John, versuchte vergeblich, ihn an den Waden rückwärts aus der Spalte zu ziehen, und kroch zum Ausgang, sodass kurz vor 21:30 Uhr der Notruf beim Utah County Sheriff's Office einging; gegen 0:30 Uhr am 25. November erreichte die 1,60 Meter (5 Fuß 3 Zoll) große freiwillige Höhlenretterin Susie Motola als erste Einsatzkraft den Eingeklemmten.
Fundstelle: Q1 & Q5, Entdeckung durch Bruder Josh und Notruf kurz vor 21:30 Uhr; Q6, Ankunft von Susie Motola (5-foot-3) um 12:30 a.m. und Dialog mit John
C14gesichert
Da der rund 135 Fuß (etwa 41 Meter) lange Zugangstunnel zu ‚Ed's Push' extrem eng und gewunden war, konnten von den insgesamt 137 angerückten Rettungskräften über die gesamte Einsatzdauer lediglich sechs besonders schmale Freiwillige direkt bis zu John Edward Jones vordringen.
Fundstelle: Q7, Abschn. zum Seilsystem (Just six volunteers had been able to crawl through the tunnel to reach John, out of a total of 137 rescuers who responded; 135-foot tunnel)
C15widersprüchlich
Über die genaue Gesamtzahl der beteiligten Helfer während des rund 27-stündigen Rettungseinsatzes gab es zunächst vorläufige Angaben von ‚über 130 Freiwilligen', bevor Einsatzleiter Sgt. Tom Hodgson die offizielle Endbilanz auf exakt 137 Einsatzkräfte mit zusammen mehr als 3.700 geleisteten Arbeitsstunden festlegte.
Fundstelle: Q2, Abs. 10 (Sgt. Tom Hodgson: 137 rescuers put in more than 3,700 man-hours during the 27-hour rescue effort) vs. frühere Zwischenmeldungen von rund 130 Helfern
C16gesichert
Weil Klemmkeile (Cams) an der dicken, pulvrigen Kalzitschicht abrutschten und die Retter mit einem Bohrhammer jeweils 90 Minuten benötigten, um sechs Zoll (15 Zentimeter) tief in den darunterliegenden harten Kalkstein zu bohren, dauerte der Aufbau des komplexen Seil- und Flaschenzugsystems mit fast 15 Tandem-Umlenkrollen bis gegen 16:00 Uhr am Nachmittag des 25. November.
Fundstelle: Q6, Abrutschen der Cams im Kalzit und 90 Minuten Bohrdauer für 6 Zoll tiefe Ankerlöcher; Q7, Fertigstellung des Systems mit nearly 15 tandem pulleys gegen 4 p.m.
C17gesichert
Da Johns Beine beim direkten Herausziehen gegen die niedrige Höhlendecke gestoßen wären, mussten die Seile seinen Körper zugleich nach oben und rückwärts umlenken; in drei Hebezügen gelang es den Helfern am späten Nachmittag, ihn Stück für Stück aus der Spalte zu heben, sodass er mit Retter Ryan Shurtz Augenkontakt hatte, kurz lächelte und über ein 400 Fuß langes Kabel mit seiner Ehefrau Emily sprechen konnte.
Fundstelle: Q7, Beschreibung der drei Hebezüge (three separate pulls), Augenkontakt und Lächeln gegenüber Ryan Shurtz sowie Gespräch über das 400-Fuß-Funkkabel mit Ehefrau Emily; Q1, Bestätigung des Funkkontakts
C18widersprüchlich
Als die Retter am Abend des 25. November nach mehrstündiger Entlastung zum vierten Hebezug ansetzten, versagte der Hauptankerpunkt im brüchigen Gestein: Während die Rekonstruktion der Salt Lake Tribune berichtet, der natürliche Felsbogen selbst sei unter der Last zerbrochen (‚the stone arch had shattered'), gab die Polizei an, einer der in den Fels gebohrten Anker habe sich gelöst (‚one of the anchors that had been drilled into the rock had come undone').
Fundstelle: Q1, Abs. 8–10 (Polizeiangabe: one of the anchors that had been drilled into the rock had come undone) vs. Q7, Abschn. zum Ankerbruch am Abend (the stone arch had shattered)
C19gesichert
Durch das plötzliche Ausreißen der Verankerung schnellten Seil und Karabiner unter hoher Spannung zurück, trafen den direkt vor Jones liegenden Helfer Ryan Shurtz schwer im Gesicht und an der Zunge – wodurch dieser kurzzeitig das Bewusstsein verlor – und ließen John Edward Jones wieder tief und reglos in die Spalte zurückgleiten.
Fundstelle: Q1, Verletzung des Helfers im Gesicht durch das versagende System; Q5 & Q7, Treffer von Ryan Shurtz durch den zurückschnellenden Karabiner, kurze Bewusstlosigkeit und Zurückgleiten von Jones
C20gesichert
Nachdem sich bei Jones infolge der mehr als 24-stündigen Kopfüber-Lage das Blut im Oberkörper gestaut hatte und Herz sowie Lunge zunehmend versagten, blieben letzte verzweifelte Versuche von Dave Shurtz und Brandon Kowallis, noch einmal eine Schlinge um ihn zu legen, erfolglos; am 25. November 2009 um 23:56 Uhr stellte ein bis zur Spalte vorgedrungener Sanitäter offiziell den Tod von John Edward Jones fest.
Fundstelle: Q6 & Q7, physiologische Folgen der Kopfüber-Position und letzte Versuche von Dave Shurtz und Brandon Kowallis; Q5 & Q7, Todesfeststellung durch Sanitäter um 11:56 p.m. am 25.11.2009
C21gesichert
Am 27. November 2009 gaben das Utah County Sheriff's Office, die Landverwaltung SITLA und die Familie Jones gemeinsam bekannt, dass der Leichnam in der Höhle verbleiben werde, da selbst das Niederbringen eines vertikalen Bohrschachts von der Oberfläche aus (geschätzte Kosten: 400.000 bis 900.000 US-Dollar zusätzlich zu den über 40.000 US-Dollar Rettungskosten) noch immer das Leben von Helfern im engen Gang gefährdet hätte.
Fundstelle: Q2 & Q8, Pressekonferenz vom 27.11.2009 und Schätzung für Bohrschacht von 400,000 to 900,000 USD; Q3, Rettungskosten > 40,000 USD und Zitat Undersheriff Mike Forshee
C22gesichert
Unter durchgehender 24-Stunden-Bewachung durch Deputies brachte das Bomb Squad des Utah County Sheriff's Office am 1. Dezember 2009 mit Sprengstoff die Decke nahe dem Eingang zum Einsturz, bevor der Einstiegsschacht vom 2. bis zum 4. Dezember 2009 mit rund 30 Kubikyard (etwa 23 Kubikmetern) Beton dauerhaft versiegelt und mit einer bronzenen Gedenktafel versehen wurde.
Fundstelle: Q5, 24-Stunden-Bewachung, Sprengung am 1. Dezember 2009 und Betonierung 2.–4. Dezember 2009; Q3, Abschluss am 4. Dezember 2009 mit rund 30 cubic yards of concrete; Q2 & Q5, Gedenktafel