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Göbekli Tepe: Die Steinkreise der Eiszeit-Jäger

Bis zu 5,50 Meter hohe Kalksteinpfeiler, geritzte Kultschädel und warum die Forschung ihre eigene Tempel-These revidierte

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Quellen & Faktencheck

  1. Q1primaryUNESCO World Heritage Centre: Göbekli Tepe (World Heritage List No. 1572)

    UNESCO World Heritage Centre, Paris, UNESCO World Heritage Committee / ICOMOS · 2018-07-01

  2. Q2academicKlaus Schmidt: Göbekli Tepe – the Stone Age Sanctuaries. New results of ongoing excavations with a special focus on sculptures and high reliefs (Documenta Praehistorica XXXVII, 2010, S. 239–256)

    University of Ljubljana (Documenta Praehistorica), Prof. Dr. Klaus Schmidt (Deutsches Archäologisches Institut) · 2010-12-01 · S. S. 239–256

  3. Q3academicJulia Gresky, Juliane Haelm & Lee Clare: Modified human crania from Göbekli Tepe provide evidence for a new form of Neolithic skull cult (Science Advances 3(6): e1700564, 2017)

    American Association for the Advancement of Science (Science Advances), Julia Gresky, Juliane Haelm & Lee Clare (Deutsches Archäologisches Institut) · 2017-06-28 · S. e1700564 (S. 1–10)

  4. Q4academicJens Notroff, Oliver Dietrich, Laura Dietrich, Cecilie Lelek Tvetmarken, Moritz Kinzel, Jonas Schlindwein, Devrim Sönmez & Lee Clare: More than a vulture: A response to Sweatman and Tsikritsis (Mediterranean Archaeology and Archaeometry 17(2), 2017, S. 57–63)

    University of the Aegean (Mediterranean Archaeology and Archaeometry), Jens Notroff, Oliver Dietrich, Laura Dietrich, Cecilie Lelek Tvetmarken, Moritz Kinzel, Jonas Schlindwein, Devrim Sönmez & Lee Clare · 2017-07-01 · S. S. 57–63

  5. Q5academicLaura Dietrich, Julia Meister, Oliver Dietrich, Jens Notroff, Janika Kiep, Julia Heeb, Andre Beuger & Brigitta Schütt: Cereal processing at Early Neolithic Göbekli Tepe, southeastern Turkey (PLOS ONE 14(5): e0215214, 2019)

    Public Library of Science (PLOS ONE), Laura Dietrich, Julia Meister, Oliver Dietrich, Jens Notroff, Janika Kiep, Julia Heeb, Andre Beuger & Brigitta Schütt · 2019-05-01 · S. e0215214 (S. 1–34)

  6. Q6academicLee Clare: Inspired individuals and charismatic leaders: Hunter-gatherer crisis and the rise and fall of invisible decision-makers at Göbekli Tepe (Documenta Praehistorica LI, 2024, S. 6–43)

    University of Ljubljana (Documenta Praehistorica), Dr. Lee Clare (Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Istanbul) · 2024-08-06 · S. S. 6–43

Alle 19 geprüften Aussagen & Einzelbelege (C1–C19) im Detail anzeigen
  1. C1gesichert

    Der künstliche Siedlungshügel (Tell) von Göbekli Tepe liegt rund 15 Kilometer nordöstlich der Provinzhauptstadt Şanlıurfa in Südostanatolien (Türkei) auf dem höchsten Punkt (ca. 770 m ü. NN) der Germuş-Bergkette, umfasst rund 9 Hektar (300 Meter Durchmesser) und ragt bis zu 15 Meter über das Kalksteinplateau auf.

    Fundstelle: Q1 Description; Q2 S. 239–240; Q6 S. 9

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  2. C2gesichert

    Die Fundstätte wurde 1963 im Rahmen eines türkisch-amerikanischen Surveys der Universitäten Istanbul und Chicago durch Peter Benedict erstmals erfasst, ihre monumentalen T-Pfeiler jedoch erst im Oktober 1994 durch den deutschen Prähistoriker Klaus Schmidt erkannt und ab 1995 systematisch ausgegraben.

    Fundstelle: Q1 Description; Q2 S. 239; Q6 S. 9–10

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  3. C3gesichert

    Die neolithische Nutzung von Göbekli Tepe erstreckte sich über rund 1.600 Jahre vom Präkeramischen Neolithikum A (PPNA) bis zum mittleren Präkeramischen Neolithikum B (PPNB), datiert auf etwa 9600/9500 bis 8000 v. Chr., als die Gemeinschaften noch von der Jagd auf Wildtiere und dem Sammeln von Wildpflanzen lebten.

    Fundstelle: Q1 Description; Q3 S. 1; Q5 S. 2–6; Q6 S. 9–11, Table 1

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  4. C4gesichert

    Geomagnetische und Bodenradar-Messungen sowie Ausgrabungen belegen auf dem Hügel mindestens 20 runde bis ovale monumentale Sondergebäude (Durchmesser 10 bis 30 Meter), von denen im Hauptgrabungsbereich im Südosten vor allem die Anlagen A, B, C, D sowie weiter nordwestlich Anlage H freigelegt wurden.

    Fundstelle: Q2 S. 240–243; Q3 S. 1; Q4 S. 58; Q6 S. 10

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  5. C5gesichert

    Charakteristisch für die älteren Rundbauten (klassische Schicht III / PPNA) sind kreis- oder ovalförmige Steinmauern mit eingestellten, monolithischen T-förmigen Kalksteinpfeilern, in deren Zentrum jeweils zwei noch größere T-Pfeiler frei in aus dem Fels oder Terrazzoboden gearbeiteten Sockeln stehen.

    Fundstelle: Q1 Description; Q2 S. 240–244; Q6 S. 11–15

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  6. C6gesichert

    In der besterhaltenen Anlage D erreichen die beiden zentralen T-Pfeiler (Pfeiler 18 und 31) eine Höhe von rund 5,50 Metern und ein Gewicht von jeweils etwa 8 bis 10 Tonnen; sie stehen in aus dem gewachsenen Kalksteinfels gemeißelten Sockelpodesten.

    Fundstelle: Q1 Criterion (i) & (iv); Q2 S. 242–243, Fig. 6–8; Q6 S. 14–15

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  7. C7gesichert

    Sämtliche T-Pfeiler wurden ohne Metallwerkzeuge ausschließlich mit Pick- und Klopfsteinen aus Feuerstein (Silex) und Basalt direkt aus den angrenzenden Kalksteinplateaus gebrochen; in den Steinbrüchen liegt noch ein unvollendeter T-Pfeiler-Rohling von fast 7 Metern Länge und rund 50 Tonnen Gewicht.

    Fundstelle: Q2 S. 240; Q4 S. 58 (nearly 7 meters, 50 tons); Q5 S. 16

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  8. C8gesichert

    Die T-Pfeiler stellen stilisierte, gesichtslose Menschenwesen (anthropomorphe Statuen) dar: Der Querblock symbolisiert den Kopf, der Schaft den Körper; an zahlreichen Pfeilern (wie Pfeiler 18 und 31 in Anlage D) sind Arme, auf dem Bauch zusammengeführte Hände, verzierte Gürtel und Lendenschurze aus Fuchsfell im Flachrelief ausgearbeitet.

    Fundstelle: Q1 Description; Q2 S. 243–244, Fig. 7–8; Q3 S. 2; Q4 S. 58

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  9. C9gesichert

    Die Pfeiler und Skulpturen tragen ein reiches Repertoire an Flach- und Hochreliefs fast ausschließlich männlicher, oft bedrohlicher Wildtiere – darunter Raubkatzen (Leoparden), Füchse, Keiler, Auerochsen, Gazellen, Wildesel, Schlangen, Skorpione, Spinnen sowie Wasservögel und Geier –, ergänzt durch abstrakte H- und Halbmond-Symbole; zudem sichern in den Kalksteinfels geschlagene Sammelkanäle und Regenwasser-Zisternen (153 m³ Gesamtfassungsvermögen) die Wasserversorgung.

    Fundstelle: Q2 S. 244–253; Q4 S. 58–60; Q5 S. 2–3 (153 m³ cisterns); Q6 S. 14–19

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  10. C10gesichert

    Eine organische Probe aus dem Lehmmörtel der Ringmauer von Anlage D (Labornummer KIA-44149) lieferte ein kalibriertes Radiokarbonalter von 9745 bis 9314 cal BC (95,4 % Wahrscheinlichkeit), was den Bau der Mauer in das mittlere 10. Jahrtausend v. Chr. datiert.

    Fundstelle: Q4 S. 59 (KIA-44149: 9984±42 BP); Q5 S. 5 Table 1 (9745–9314 cal BC)

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  11. C11gesichert

    Die jüngere Bauschicht II (frühes und mittleres PPNB, ca. 8800–8000 v. Chr.) besteht aus dicht aneinandergereihten, rechteckigen Räumen mit Kalkmörtel- bzw. Terrazzoböden und kleineren, meist nur noch 1,5 bis 2 Meter hohen T-Pfeilern (darunter das „Löwenpfeilergebäude“).

    Fundstelle: Q1 Description; Q2 S. 241–242; Q5 S. 3–5; Q6 S. 11, Table 1

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  12. C12gesichert

    Während Klaus Schmidt Göbekli Tepe bis 2014 als reines, unbewohntes Berg- und Pilgerheiligtum deutete, belegen tiefere Sondagen und Ausgrabungen seit 2015 unter Leitung von Lee Clare eindeutig eine dauerhafte oder halbsesshafte Siedlung mit frühneolithischen Wohnhäusern, Herdstellen, Ockerböden und Regenwasser-Sammelzisternen (153 m³ Gesamtfassungsvermögen) ab der ältesten Nutzungsphase.

    Fundstelle: Q1 Description; Q2 S. 240–242; Q5 S. 2–3 (153 m³); Q6 Abstract & S. 6–16

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  13. C13gesichert

    Eine systematische Analyse von 7.268 steinernen Mahl- und Reibwerkzeugen (Reibplatten, Läufer, Mörser und Stößel aus einem rund zwei Kilometer entfernten Basalt-Vorkommen) sowie der Nachweis von bis zu 3 Millionen Getreide-Phytolithen pro Gramm Sediment belegen eine massive Verarbeitung von Wildgetreide zur Versorgung großer Arbeits- und Festgemeinschaften vor Ort.

    Fundstelle: Q5 Abstract, S. 9 Table 2 (total 7268 macrolithic artefacts), S. 10 (~2 km basalt source), S. 19–25; Q6 S. 16

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  14. C14gesichert

    Im Jahr 2017 wiesen Julia Gresky, Juliane Haelm und Lee Clare anhand von sieben Schädelfragmenten dreier erwachsener Individuen eine neue Form des neolithischen Schädelkults auf Göbekli Tepe nach: Die Schädel wurden nach dem Tod entfleischt, mit Feuersteinwerkzeugen tief entlang der Pfeilnaht eingekerbt, mit rotem Ocker gefärbt und an einer im Scheitelbein gebohrten Öffnung mit Schnüren aufgehängt.

    Fundstelle: Q3 Abstract & S. 1–7; Q4 S. 60; Q6 S. 18

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  15. C15gesichert

    Im Jahr 2023 entdeckten Archäologen in Anlage D auf einer Steinbank direkt vor Pfeiler 67 eine lebensgroße Kalksteinstatue eines Wildschweins (ca. 1,35 × 0,70 Meter), auf deren Oberfläche noch originale Farbpigmente in Rot, Weiß und Schwarz erhalten sind – der bisher älteste direkte Beleg für farbige Großskulpturen dieser Epoche.

    Fundstelle: Q6 S. 13–15 & Fig. 6 (painted limestone statue of a wild boar discovered in 2023)

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  16. C16gesichert

    Die lange vertretene Annahme, die Bewohner hätten ihre monumentalen Rundbauten am Ende ihrer Nutzung absichtlich und rituell mit Tonnen von Siedlungsschutt zugeschüttet („ritual backfilling“), gilt nach neuen mikrostratigraphischen Analysen des DAI als widerlegt: Tatsächlich wurden die tiefer am Hang gelegenen Sondergebäude mehrfach durch katastrophale Hangrutsche („slope slides“) aus den darüberliegenden Siedlungsschichten verschüttet.

    Fundstelle: Q2 S. 242 (ältere These); Q6 S. 11–13 & S. 19–20 (Widerlegung durch Hangrutsch-Befunde)

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  17. C17plausibel

    Die neuen Befunde sprechen dafür, dass die runden Sondergebäude ursprünglich nicht unter freiem Himmel standen, sondern als halbunterirdische Kommunalbauten mit Holz- und Lehmdächern überdeckt waren, die auf den zentralen und peripheren T-Pfeilern ruhten; konstruktive Details dieser Überdachung werden in der Bauforschung weiter untersucht.

    Fundstelle: Q6 S. 13–15

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  18. C18widersprüchlich

    Die 2017 von Martin Sweatman und Dimitrios Tsikritsis aufgestellte Hypothese, Pfeiler 43 („Geierstein“) in Anlage D stelle Sternbilder und das Datum eines Kometeneinschlags um 10.950 v. Chr. (Jüngere Dryas) dar, wird vom Ausgrabungsteam des DAI als methodisch unhaltbar zurückgewiesen, da sie die belegte Bauzeit von Anlage D (10. Jahrtausend v. Chr.), die archäologische Ikonographie (Toten- und Schädelkult) und das wahrscheinliche Dach über dem Gebäude ignoriert.

    Fundstelle: Q4 Abstract & S. 57–61; Q3 S. 5–6 (headless human on Pillar 43); Q5 S. 5 Table 1

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  19. C19gesichert

    Im Juli 2018 wurde Göbekli Tepe unter der Listennummer 1572 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen; als Teil des türkischen Großprojekts „Taş Tepeler“ („Steinhügel“) wird die Fundstätte heute im Kontext von rund einem Dutzend verwandter PPN-Fundplätze der Region Şanlıurfa (darunter Karahan Tepe und Sayburç) erforscht.

    Fundstelle: Q1 Kopfdaten (Ref. 1572, 2018); Q6 S. 7–10

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