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Andrée 1897: Mit dem Ballon zum Nordpol
Drei Schweden starten mit der „Örnen“ – 1930 werden ihr letztes Lager und ihre Filme gefunden

Andrée 1897: Mit dem Ballon zum Nordpol
Drei Schweden wollen den Nordpol im Wasserstoffballon überfliegen. Nach drei Tagen sind sie auf dem Eis, nach drei Monaten tot. 33 Jahre später wird ihr letztes Lager gefunden, mit Tagebüchern und belichteten Filmen. [C8] [C10]
Kurz gesagt: Am 11. Juli 1897 startete der Ballon „Örnen“ von Danskøya auf Spitzbergen. An Bord waren der Ingenieur Salomon August Andrée, der Physiker und Fotograf Nils Strindberg und der Ingenieur Knut Frænkel. Am 14. Juli war die Fahrt nach etwa 65 Stunden vorbei. Es folgte ein rund 400 Kilometer langer Marsch über das Eis bis Kvitøya, wo alle drei kurz nach der Ankunft Anfang Oktober starben. Am 6. August 1930 fanden Männer der norwegischen Bratvaag-Expedition ihr Lager. Woran die drei starben, ist bis heute nicht geklärt. [C2] [C4] [C5] [C6] [C8] [C7]
Die Idee
Nach Darstellung des Svalbard Museums waren die Nordost- und die Nordwestpassage gefunden; was noch fehlte, war der Nordpol selbst. Schiffe blieben im Packeis stecken, viele Versuche wurden aufgegeben. [C17] Der schwedische Ingenieur S. A. Andrée wollte das Eis deshalb überfliegen. [C2] Ziel war, so das Grenna Museum, die nördliche Polarregion so weit wie möglich zu kartieren, indem man über den Pol fliegt. Das Museum nennt das eine „große Idee“. [C2]
Ein erster Versuch scheiterte 1896, weil der Wind aus der falschen Richtung kam. [C1] Ein Jahr später versuchten sie es erneut. [C2] Ein Studioporträt aus dieser Zeit zeigt vier Männer: Vilhelm Swedenborg, Strindberg, Frænkel und Andrée. Die Bildbeschreibung führt alle vier als Teilnehmer der Expedition (Nachweis: assets.yaml, andree-teilnehmer). In der Gondel saßen aber nur Andrée, Strindberg und Frænkel. [C2]
Der Jüngste, Nils Strindberg, war mit dem Schriftsteller August Strindberg verwandt. Er war der Fotograf der Expedition und hatte nach Angaben des Moderna Museet schon vorher in Ausstellungen gezeigt und Preise gewonnen. [C13] Diese Rolle ist der Grund, warum wir heute Bilder dieser Reise haben.
Der Start: 11. Juli 1897
Gestartet wurde von Danskøya auf Spitzbergen. Am 11. Juli 1897 hob die „Örnen“ ab, ein mit Wasserstoff gefüllter Ballon. [C2] Ein zeitgenössischer Photochromdruck der Library of Congress, betitelt „Andree's Station at Danskoen“, zeigt einen eingerüsteten Bau vor den Bergen (Nachweis: assets.yaml, andree-station).
Zum Steuern hatte der Ballon lange Schleppleinen, die über den Boden schleifen und so die Fahrt beeinflussen sollten. Gleich nach dem Start gingen nach dem Svalbard Museum einige dieser Leinen verloren. Danach ließ sich der Ballon kaum noch steuern. [C3] Für ein Konzept, das auf Lenkbarkeit setzte, war das ein schwerer Schlag unmittelbar nach dem Start.
65 Stunden in der Luft
Weiter im Norden setzten Regen und Nebel dem Ballon zu. Er vereiste, wurde schwerer und konnte seine Last nicht mehr tragen. Nach etwa 65 Stunden in der Luft mussten die drei landen. [C4] Das Grenna Museum datiert das Ende der Fahrt auf den 14. Juli, „aufgrund der Wetterbedingungen“. Damit habe das eigentliche Abenteuer begonnen, nämlich das Überleben in der Arktis. [C4]
Unser Titelbild zeigt die „Örnen“ kurz nach der Landung am 14. Juli 1897: den halb entleerten Ballon auf der Scholle, daneben die Gondel und zwei Männer. Laut Bildlegende in der Buchausgabe von 1931 stammt die Aufnahme von Andrée; der Film wurde 1930 in Stockholm entwickelt. [C18]
Drei Monate auf dem Eis
Was folgte, beschreibt das Svalbard Museum als einen dreimonatigen, etwa 400 Kilometer langen Marsch über das Eis. [C5] Das Moderna Museet schildert „unglaubliche Strapazen“. Das Eis brach auf, die drei verloren einen großen Teil ihrer Ausrüstung, und die Schollen trieben in verschiedene Richtungen. Strömungen trugen sie schließlich nach Kvitøya, schwedisch Vitön, die „Weiße Insel“ im Osten Svalbards. Dort gingen sie völlig erschöpft an Land. [C5]
Auch von dieser Zeit gibt es Fotos. Eines zeigt Andrée und Frænkel neben einem erlegten Bären, die Gewehre stecken im Schnee. Laut Bildlegende hat Strindberg es aufgenommen. [C18]
Kvitøya: das Ende
Anfang Oktober erreichten sie die Insel. [C5] Alle drei starben kurz nach der Ankunft. [C6] Nach dem Moderna Museet starben sie „einer nach dem anderen“. [C6]
Woran sie starben: Theorien, keine Gewissheit
Hier widersprechen sich die Quellen offen, und wir stellen die Positionen nebeneinander. [C7]
- Trichinose: Das Moderna Museet schreibt, die drei seien „wahrscheinlich“ („sannolikt“) an Trichinen aus Eisbärfleisch gestorben, das sie gegessen hatten. Auch das Svalbard Museum nennt diese Theorie. [C7]
- Kohlenmonoxidvergiftung: Diese Theorie nennt das Svalbard Museum als zweite Möglichkeit. [C7]
- Eisbärangriff: Laut Svalbard Museum legt neuere Forschung nahe, dass ein Eisbärangriff die Ursache gewesen sein könnte. [C7]
- Grenna Museum: Das Museum mit der Andrée-Sammlung schreibt schlicht, die Todesursache „entzieht sich uns noch“. In einer AR-Anwendung zeigt es die Theorien der Ärztin und Autorin Bea Uusma über die letzten Tage auf Kvitøya. [C7]
Das Svalbard Museum fasst es so zusammen: „Die Ursache bleibt ein Rätsel.“ Wir übernehmen keine der Theorien als Tatsache. [C7]
33 Jahre Ungewissheit
33 Jahre lang wusste niemand, was aus den drei Männern geworden war. [C8] Im Sommer 1930 war das norwegische Schiff „Bratvaag“ aus Ålesund unterwegs nach Franz-Josef-Land, ausgerüstet für Forschung und Robbenfang. Wissenschaftlicher Leiter war der Geologe Gunnar Horn. Am 5. und 6. August ging die Expedition an der Südwestspitze von Kvitøya an Land. Am 6. August fanden die Robbenfänger der Gruppe die Überreste der Andrée-Expedition. [C8] Horns Telegramm, das Litteraturbanken zitiert, beginnt mit den Worten: „Wir haben am 6. August auf der Südwestseite der Weißen Insel …“. Das Lager lag etwa 150 Meter vom Ufer entfernt. [C8]
Die „Bratvaag“ hatte kein Funkgerät an Bord. Litteraturbanken rekonstruiert, wie die Nachricht trotzdem an Land kam. Am 8. August hatte die „Bratvaag“ das Fangschiff „Terningen“ angerufen, dessen Kapitän Gustav Jensen die Geschichte später in Tromsø erzählte. Horn hatte ihm von Beobachtungsbüchern, Instrumenten, Kochgeschirr und den Überresten der Männer berichtet. Laut Litteraturbanken war die Unsicherheit in den ersten Tagen groß und verlässliche Fakten fehlten weitgehend. Horns eigenes Telegramm an Konsul Saether in Tromsø ging erst am Sonntag, dem 24. August, hinaus und stand am Tag darauf in den Zeitungen. [C9]
Ein kleiner Widerspruch: 22. oder 23. August?
Wann die Nachricht in Schweden bekannt wurde, wird unterschiedlich angegeben. Das Moderna Museet und das Vorwort der englischen Tagebuchausgabe von 1931 nennen den 22. August 1930. Litteraturbanken beschreibt die Zeitungsschlagzeilen vom Samstag, dem 23. August. [C9] Beides kann zutreffen, wenn die Meldung am Abend des 22. eintraf und am nächsten Morgen in den Zeitungen stand. Belegt ist das nicht, deshalb führen wir den Punkt als widersprüchlich.
Kommission, Presse und die zweite Expedition
Der Fund löste nach Litteraturbanken einen Wettlauf der Zeitungen aus, die Schiffe charterten und um die ersten Berichte konkurrierten. Die Behörden reagierten ebenfalls. Schweden setzte eine wissenschaftliche Kommission ein, die gemeinsam mit norwegischen Fachleuten die Funde in Tromsø übernahm. Die Dokumente der Bratvaag-Expedition wurden auf Wunsch der schwedischen Regierung übergeben, ohne dass ihr Inhalt veröffentlicht wurde. Eine kurze Zusammenfassung von Andrées großem Tagebuch erschien am 20. September 1930. [C14]
Parallel charterte der Journalist Knut Stubbendorff für Dagens Nyheter das Robbenfangschiff „Isbjørn“. Es brach am 28. August auf und erreichte Kvitøya am 5. September. Inzwischen war Schnee geschmolzen, und bis zum 8. September fand die Gruppe weitere Teile des Lagers und weitere Gegenstände. Auch diese Funde gingen an die Kommission. [C15]
Bilder aus dem Eis
1930 wurden Tagebücher, Ausrüstung, wissenschaftliche Aufzeichnungen und Filmrollen gefunden. [C10] Die Filme, die später entwickelt wurden, barg nach zeitgenössischen Texten die Isbjørn-Expedition im September; Stubbendorff meldete am 12. September 1930 aus seiner Kabine unter anderem „in einem schwarzen Beutel einen Rollfilm“. Das Svalbard Museum ordnet die Filme pauschal dem Fund von 1930 zu. [C16] Das Svalbard Museum hebt die astronomischen und meteorologischen Beobachtungen hervor. Die Filme lagen 33 Jahre unter Eis und Schnee. Trotzdem gelang es dem Fotografen John Hertzberg, Dozent an der Technischen Hochschule KTH in Stockholm, nach Wochen der Arbeit, belichtete Aufnahmen zu entwickeln. Die Negative wurden aufwendig retuschiert. [C10]
Heimkehr und Erinnerung
Andrée, Strindberg und Frænkel wurden nach Schweden gebracht und am 5. Oktober 1930 von der Storkyrkan in Stockholm aus bestattet. [C11]
Die Andrée-Sammlung liegt seit 1944 bei der Stiftung Grenna Museum in Gränna, Treuhänder ist Jönköpings läns museum. [C12] Unser letztes Bild zeigt ein gerahmtes Stück Stoff mit der Aufschrift „Tyg till polarballongen S. A. Andrée 5.8.96“ („Stoff für den Polarballon“). Es stammt laut Bilddatenbank aus Privatbesitz; ob es tatsächlich von der „Örnen“ stammt, ist dort nur als Vermutung angegeben.
Einordnung
Die Andrée-Expedition wird oft als Inbegriff technischer Selbstüberschätzung erzählt. Die Quellen stützen vor allem zwei nüchterne Befunde. Die Steuerung fiel praktisch sofort aus, und die Vereisung beendete die Fahrt nach knapp drei Tagen. [C3] [C4] Bemerkenswert ist, wie viel die Männer bis zuletzt aufzeichneten: Tagebücher, Messwerte, Fotos. Nur deshalb lässt sich die Geschichte heute so genau erzählen, mit einer großen Lücke am Ende.
Was offen ist
- Todesursache: ungeklärt. Trichinose, Kohlenmonoxid und Eisbärangriff werden diskutiert. [C7]
- Bekanntwerden des Funds: 22. oder 23. August 1930. [C9]
- Filmfund: Die entwickelten Filme stammen laut zeitgenössischen Texten von der Isbjørn; ob auch die Bratvaag Filme fand, sagen unsere Quellen nicht ausdrücklich. [C16]
- Bildzuordnung: Der Urheber des Eisbär-Fotos ist in den Metadaten nicht angegeben; das Aufnahmedatum des Titelbilds ist nicht belegt.
- Lager auf Kvitøya: Der Ort liegt in einem Schutzgebiet. Wir nennen keine Koordinaten.
Quellen
- Q1 Grenna Museum: The Andrée Expedition.
- Q2 Svalbard Museum: The Andrée Expedition.
- Q3 Moderna Museet: Fynden från Vitön (Ausstellung, Kurator Leif Wigh).
- Q4 Lotta Lotass: Fynden på Vitön. En presshistoria. Litteraturbanken (PDF).
- Q5 The Andrée Diaries, London 1931 (Digitalisat Internet Archive).
Quellen (5)
webThe Andrée Expedition — Grenna Museum – Andréexpeditionen Polarcenter
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webThe Andrée Expedition — Svalbard Museum
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webFynden från Vitön (Ausstellung) — Moderna Museet, Stockholm, Kurator: Leif Wigh
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academicFynden på Vitön: En presshistoria — Litteraturbanken, Lotta Lotass
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bookThe Andrée Diaries – being the diaries and records of S. A. Andrée, Nils Strindberg and Knut Frænkel … discovered on White Island in 1930 — John Lane The Bodley Head, London (Digitalisat Internet Archive / Digital Library of India), 1931
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Faktencheck
freigegeben · geheimprojekte Faktencheck · 2026-10-23 · faktencheck.md (Auflage: erst online, wenn expeditionen und polarforschung in content/topics.yaml stehen)